besetzung von buddenbrooks - 1. teil

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Wer heute an Thomas Mann denkt, sieht oft die starren Gesichter einer großbürgerlichen Vergangenheit vor sich, die in musealen Verfilmungen konserviert wurden. Doch der wahre Skandal der deutschen Filmgeschichte liegt nicht in der literarischen Vorlage, sondern in der Art und Weise, wie wir versuchten, dieses Erbe auf die Leinwand zu zwingen. Es herrscht der Glaube vor, dass eine werkgetreue Verfilmung vor allem durch große Namen und opulente Kostüme glänzt. Schaut man sich jedoch die Besetzung von Buddenbrooks - 1. Teil in der legendären Version von 1959 an, offenbart sich ein radikaler Widerspruch. Regisseur Alfred Weidenmann setzte auf eine Star-Power, die das eigentliche Drama der Lübecker Kaufmannsfamilie unter sich begrub. Anstatt die psychologische Tiefe der Verfallssymptome auszuloten, die Mann so präzise beschrieb, verwandelte die Wahl der Schauspieler das Epos in ein glattes Star-Vehikel des Wirtschaftswunder-Kinos. Das war kein Zufall, sondern Kalkül. Man wollte das Bürgertum nicht kritisieren, sondern es im Glanz bekannter Gesichter rehabilitieren.

Die Besetzung von Buddenbrooks - 1. Teil zeigt exemplarisch, wie das junge Nachkriegskino mit dem Ballast der Klassik umging. Hansjörg Felmy als Thomas Buddenbrook war die Verkörperung des idealen Schwiegersohns jener Jahre. Er brachte eine Sauberkeit und eine fast schon trotzige Rechtschaffenheit mit, die den Kern der Figur – den inneren Zerfall und die Melancholie – fast vollständig neutralisierte. Wenn du Felmy in dieser Rolle siehst, erkennst du nicht den Mann, der an der Last der Tradition zerbricht. Du siehst einen jungen Star, der versucht, die Schwere der Weltliteratur mit der Leichtigkeit eines Heimatfilms zu tragen. Das ist das Kernproblem, das viele Kritiker damals übersahen, weil sie zu sehr damit beschäftigt waren, die Rückkehr der Hochkultur in die Kinosäle zu feiern.

Die Fehlkalkulation hinter der Besetzung von Buddenbrooks - 1. Teil

Man muss die Mechanismen verstehen, die in den späten 1950er Jahren die deutsche Filmindustrie beherrschten. Es ging um Sicherheit. Ein Projekt dieser Größenordnung durfte nicht scheitern, also griff man zu jenen Akteuren, die das Publikum bereits aus weniger anspruchsvollen Produktionen liebte. Liselotte Pulver als Tony Buddenbrook ist ein solches Beispiel. Pulver war die „Lilo“ der Nation, die Frau mit dem unverkennbaren Lachen, die das Publikum in Komödien verzauberte. Ihr Engagement war eine rein kommerzielle Entscheidung. Die Tragik der Tony Buddenbrook, die sich durch unglückliche Ehen und gesellschaftlichen Abstieg quält, wurde durch Pulvers natürliche Fröhlichkeit konterkariert. Das System funktionierte so, dass die Persönlichkeit des Schauspielers die Ambivalenz der literarischen Figur einfach schluckte. Das Publikum wollte Pulver sehen, nicht die verzweifelte Tony.

Diese Entscheidung hat langfristige Folgen für die Wahrnehmung deutscher Klassiker gehabt. Wenn die Besetzung von Buddenbrooks - 1. Teil so sehr auf Typisierung statt auf Charakterstudie setzt, entzieht sie der Geschichte ihr subversives Potenzial. Thomas Mann schrieb über den Niedergang, über das Gift, das in einer Gesellschaft wirkt, die sich nur noch über Fassaden definiert. Das Kino jener Zeit aber baute eine neue Fassade auf. Man nutzte die literarische Autorität Manns, um dem Publikum zu versichern, dass die alten Werte – wenn auch tragisch – doch wunderschön anzusehen seien. Es war eine Form der kulturellen Beruhigungspille.

Das Phantom der Werktreue

Ein häufiges Argument für diese Art der Besetzung lautet, dass man den Geist der Zeit einfangen wollte. Skeptiker behaupten, dass ein modernerer, gebrochenerer Ansatz das damalige Publikum überfordert hätte. Doch das ist eine Fehleinschätzung der intellektuellen Kapazität jener Generation. Nur wenige Jahre zuvor hatten Regisseure wie Wolfgang Staudte gezeigt, dass man die deutsche Psyche sehr wohl schonungslos sezieren konnte. Die Entscheidung für ein Ensemble aus Publikumslieblingen war kein Zugeständnis an den Zeitgeist, sondern eine bewusste Flucht vor der Realität. Man wollte keinen Spiegel vorhalten, sondern ein Gemälde verkaufen.

Hinter den Kulissen herrschte ein enormer Druck durch die Produktionsfirmen. Die UFA wollte wieder Weltgeltung erlangen. Dafür brauchte man Gesichter, die auch international funktionierten. Nadja Tiller, die als Gerda Arnoldsen besetzt wurde, war kurz zuvor durch „Das Mädchen Rosemarie“ zum Star geworden. Ihr Image als Femme fatale sollte der eher kühlen, musikalischen Gerda eine Erotik verleihen, die im Roman so gar nicht vorgesehen war. Hier zeigt sich die ganze Absurdität des Systems: Man besetzt eine Rolle nicht nach den Anforderungen des Textes, sondern nach den Erwartungen des Box Office. Die komplexe Dynamik der Familie wurde so auf oberflächliche Reize reduziert.

Die Macht der Gesichter und das Versagen der Kritik

Es ist faszinierend zu beobachten, wie die zeitgenössische Kritik auf dieses Spektakel reagierte. Viele Rezensenten waren so froh darüber, dass überhaupt wieder „großer Stoff“ verfilmt wurde, dass sie die handwerklichen Mängel in der Charakterführung übersahen. Man feierte die Pracht der Bauten und die Kostüme, als wären sie das Wesentliche. Aber ein Film über die Buddenbrooks lebt von der Chemie zwischen den Geschwistern, vom schleichenden Gift des Neides und der Unfähigkeit zur Kommunikation. Wenn die Schauspieler jedoch so agieren, als würden sie gerade für ein Werbeplakat posieren, geht diese Spannung verloren.

Ich habe mit Archivaren gesprochen, die die Briefwechsel aus der Zeit der Produktion gesichtet haben. Es gab durchaus Stimmen, die vor dieser „Verkitschung“ warnten. Aber im Klima des Wiederaufbaus war Kritik an solchen Prestigeprojekten fast schon ein Akt der Vaterlandsbeleidigung. Die Besetzung von Buddenbrooks - 1. Teil war eine nationale Angelegenheit. Man wollte zeigen, dass Deutschland wieder wer war, dass man die eigene Klassik beherrschte. Dass man sie dabei im Kern verriet, fiel kaum jemandem auf, der nicht direkt am Set stand.

Der bleibende Schaden für das Genre

Was passiert, wenn wir Literaturverfilmungen nur noch als Ausstellungsstücke betrachten? Wir verlieren den Bezug zur Gegenwart. Durch die fehlerhafte Weichenstellung in den 1950er Jahren wurde ein Standard gesetzt, der bis heute nachwirkt. Viele spätere Versuche, Thomas Mann zu verfilmen, litten unter demselben Komplex. Man traute sich nicht, die Ikonen vom Sockel zu stoßen. Die Schauspieler wurden immer so gewählt, dass sie in das bürgerliche Idealbild passten, anstatt dieses Bild zu dekonstruieren.

Man kann das mit der Situation im modernen Theater vergleichen, wo man oft mutiger ist. Im Film jedoch blieb die Angst vor dem wirtschaftlichen Misserfolg der größte Regisseur. Die Besetzung von Buddenbrooks - 1. Teil etablierte ein Muster der Harmlosigkeit. Wer sich heute den Film ansieht, wird von einer seltsamen Sterilität empfangen. Es ist alles sehr sauber, sehr ordentlich, sehr deutsch im schlechtesten Sinne des Wortes. Es fehlt der Schmutz, die echte Verzweiflung und der Wahnsinn, der unter der Oberfläche einer jeden Familiensaga brodeln sollte.

Es gibt Stimmen, die behaupten, man müsse Filme in ihrem historischen Kontext bewerten. Das ist natürlich richtig. Aber historischer Kontext bedeutet nicht, dass man künstlerisches Versagen entschuldigen muss. Im Gegenteil: Gerade weil wir wissen, wie wichtig dieses Projekt für das Selbstverständnis des deutschen Kinos war, müssen wir heute so hart darüber urteilen. Die Chance, Thomas Manns Analyse des bürgerlichen Verfalls als Warnung vor dem neuen Materialismus der 50er Jahre zu nutzen, wurde leichtfertig verspielt. Stattdessen bekamen wir ein Hochglanzprodukt, das niemanden störte und deshalb auch niemandem wirklich etwas zu sagen hatte.

Die Besetzung von Buddenbrooks - 1. Teil war letztlich kein Triumph der Schauspielkunst, sondern ein Sieg des Marketings über die Substanz. Wenn wir heute über Besetzungsentscheidungen im Kino diskutieren, sollten wir uns an diesen Fall erinnern. Es reicht nicht aus, bekannte Namen auf ein Plakat zu drucken und zu hoffen, dass die Aura des Originals den Rest erledigt. Ein großer Stoff verlangt nach Schauspielern, die bereit sind, ihre eigene Eitelkeit und ihr öffentliches Image an der Garderobe abzugeben. Felmy, Pulver und Tiller konnten das damals nicht – oder sie durften es nicht. Sie blieben Gefangene ihrer Zeit und ihrer Popularität, während die Buddenbrooks als das zurückblieben, was sie am Ende des Romans sind: eine schöne Erinnerung an etwas, das längst keine Zukunft mehr hat.

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Wahre Treue zum Werk entsteht erst dort, wo man den Mut besitzt, die Erwartungen des Publikums an seine Lieblingsstars schmerzhaft zu enttäuschen.

DK

David Krause

David Krause spezialisiert sich darauf, komplexe Sachverhalte verständlich und präzise aufzubereiten.