Man erzählt sich seit Jahrzehnten die gleiche Geschichte über den Untergang eines Imperiums. Es ist die Erzählung von Francis Ford Coppola, der nach den beiden größten Meisterwerken des zwanzigsten Jahrhunderts einknickte und ein spätes Sequel drehte, nur um seine Schulden zu begleichen. In dieser Version der Geschichte ist die Besetzung Von Der Pate III der Sündenbock für alles, was im Jahr 1990 schiefging. Man zeigt mit dem Finger auf eine junge Frau, die damals kaum zwanzig Jahre alt war, und behauptet, ihr hölzernes Spiel habe das Vermächtnis der Corleones eigenhändig beerdigt. Doch wer heute mit kühlem Blick auf das Werk schaut, erkennt eine unbequeme Wahrheit. Das Problem war nicht die Abwesenheit von Talent oder die Vetternwirtschaft eines verzweifelten Regisseurs. Das eigentliche Drama spielte sich hinter den Kulissen ab, wo die Gier der Studios und die Arroganz der Stars eine Lücke rissen, die kein Drehbuch der Welt hätte füllen können. Der Film ist kein gescheitertes Werk, sondern das präziseste Porträt von Verfall, das das Kino je hervorgebracht hat, gerade weil die Konstellation vor der Kamera so schmerzhaft unvollständig wirkte.
Der Mythos der Besetzung Von Der Pate III und das Phantom des Robert Duvall
Das Fundament jedes Mafia-Epos ist die Loyalität, doch in der Realität Hollywoods wiegt ein Scheckbuch oft schwerer als die künstlerische Integrität. Wir müssen über Robert Duvall sprechen. Sein Fehlen ist der wahre Grund, warum sich dieser Teil so radikal anders anfühlt als seine Vorgänger. Duvall forderte eine Gage, die der von Al Pacino ebenbürtig war. Das Studio weigerte sich. Coppola musste umschreiben. In diesem Moment verlor die Erzählung ihren moralischen Anker. Tom Hagen war die Stimme der Vernunft, der einzige Mensch, der Michael Corleone die Wahrheit sagen konnte, ohne hingerichtet zu werden. Ohne ihn agiert Michael in einem Vakuum. Die Kritiker stürzten sich auf die Besetzung Von Der Pate III, weil sie das Fehlen dieser vertrauten Dynamik als Schwäche interpretierten. Dabei übersah man das Offensichtliche. Ein gealterter Don, der versucht, seine Seele reinzuwaschen, muss einsam sein. Die Lücke, die Duvall hinterließ, wurde durch George Hamilton gefüllt, der als B.J. Harrison eher wie ein schmieriger Anwalt aus einer Seifenoper wirkte. Das war kein Versehen. Es war die Darstellung einer neuen, sterilen Welt der Hochfinanz, in der die alten Krieger keinen Platz mehr hatten.
Die Last der Sofia Coppola
Es ist die leichteste Übung der Welt, über Sofia Coppola zu spotten. Sie war kein Profi, sie war die Notlösung, nachdem Winona Ryder wegen Erschöpfung am Set in Rom ausfiel. Doch wenn ich mir ihre Szenen heute ansehe, entdecke ich eine Qualität, die keine geschulte Schauspielerin hätte simulieren können. Mary Corleone ist kein manipulatives Genie. Sie ist eine unschuldige Geisel ihrer eigenen Familiengeschichte. Ihre Unsicherheit, ihre fast schon quälende Natürlichkeit steht im krassen Gegensatz zu der opernhaften Übersteigerung von Al Pacino. Pacino spielt in diesem Film nicht mehr den unterkühlten Strategen aus Teil zwei. Er spielt einen Mann, der von Reue zerfressen wird und dessen Gesichtszüge unter der Last seiner Sünden buchstäblich zerfallen. Die Amateurhaftigkeit von Sofia war der perfekte Spiegel für Michaels Verzweiflung. Er wollte eine Welt für seine Kinder erschaffen, in der sie sicher sind, doch am Ende zieht er sie in ein Rampenlicht, für das sie nie gemacht waren. Das ist die Essenz der Tragödie. Ein Kind, das nicht in diese Welt passt, wird von ihr vernichtet. Wer technische Perfektion verlangt, versteht das Wesen des Schmerzes nicht, den Coppola hier einfangen wollte.
Die Evolution der Gewalt durch Andy Garcia
Während die alte Garde mit sich selbst rang, brachte ein junger Mann eine Energie ein, die das gesamte Gefüge veränderte. Andy Garcia als Vincent Mancini war die notwendige Reinkarnation von Sonny Corleone. Viele sahen in ihm lediglich einen hübschen Ersatz, doch seine Darstellung ist eine psychologische Studie über das Erbe der Gewalt. Er verkörperte die rohe Lust an der Macht, die Michael längst verloren hatte. Es gibt diesen Moment in der Küche, in dem er Mary zeigt, wie man Gnocchi macht. Die Spannung in diesem Raum ist fast greifbar. Hier prallt die Zukunft der Familie auf die Reinheit, die Michael so verzweifelt schützen wollte. Garcia lieferte keine Kopie von James Caan ab. Er zeigte uns einen Vincent, der klüger und berechnender war als sein Vater Sonny, aber genauso gefährlich. Man muss sich klarmachen, dass dieser Film ohne diesen Funken Aggression in purer Melancholie ertrunken wäre. Er ist der Motor, der die Handlung vorantreibt, während die Kirche und die Banken versuchen, Michael im Sumpf der Bürokratie zu ersticken.
Der Vatikan als Bühne des Schattens
Oft wird ignoriert, wie brillant die europäischen Akteure in das Ensemble integriert wurden. Raf Vallone als Kardinal Lamberto bietet eine Gravitas, die den amerikanischen Stars oft fehlt. Wenn er Michaels Beichte abnimmt, spürt man die jahrtausendealte Last der Institution Kirche. Es ist ein Duell der Giganten, das sich in der Stille abspielt. Im Gegensatz dazu steht die Figur des Don Licio Lucchesi, gespielt von Ennio Coltorti. Er ist die Verkörperung der banalen Bosheit. Ein Mann, der hinter einer Brille und höflichen Floskeln die Fäden der Weltpolitik zieht. Diese Figuren erweiterten den Horizont der Geschichte weg von den staubigen Straßen New Yorks hin zu den vergoldeten Hallen Roms. Die Behauptung, das Niveau der Darsteller sei gesunken, hält einer ernsthaften Prüfung nicht stand. Man hat lediglich das Genre gewechselt. Aus dem Mafia-Drama wurde ein Polit-Thriller mit religiösen Untertönen. Die Schauspieler mussten hier keine Soldaten mehr sein, sondern Schachfiguren in einem Spiel, dessen Regeln sie selbst kaum noch verstanden.
Man muss den Mut haben, die nostalgische Verklärung der siebziger Jahre abzulegen. Wir erwarten oft von Fortsetzungen, dass sie uns das gleiche Gefühl geben wie das Original, nur in einer neuen Verpackung. Coppola verweigerte uns dieses Geschenk. Er schenkte uns stattdessen ein Porträt der Erschöpfung. Al Pacino spielt Michael Corleone mit einer körperlichen Gebrechlichkeit, die fast schmerzhaft zu beobachten ist. Er schreit nach seinem Sohn, er schreit nach Vergebung, und am Ende bleibt ihm nur die bittere Erkenntnis, dass Geld keinen Schutz vor dem Schicksal kauft. Die Kritiker der damaligen Zeit waren blind für diese Nuancen. Sie wollten die coole Kälte des jungen Michael sehen, den Mann, der seine Feinde mit einem Blick erledigt. Stattdessen bekamen sie einen alten Mann in einem lila Seidenpyjama, der an Diabetes leidet und um seine Familie weint. Das war kein Versagen der Regie, das war ein Akt der radikalen Ehrlichkeit. Wer heute behauptet, der Film sei wegen seiner Darsteller gescheitert, hat wahrscheinlich nie einen geliebten Menschen beim Altwerden beobachtet.
Es gibt keine Rückkehr zur Unschuld, weder für Michael Corleone noch für das Kino selbst. Die Unvollkommenheit dieses Ensembles ist das ehrlichste Denkmal, das man der Mafia-Saga setzen konnte, denn wahre Verbrechen hinterlassen keine ästhetisch makellosen Ruinen, sondern nur gebrochene Menschen in einem zu großen Haus.