besetzung von hänsel und gretel hexenjäger

besetzung von hänsel und gretel hexenjäger

Manche Filme werden schon vor ihrem ersten Trailer in eine Schublade gesteckt, aus der sie nie wieder herauskommen. Wenn man heute an das Jahr 2013 zurückdenkt, fällt vielen sofort die Welle an düsteren Märchenadaptionen ein, die Hollywood damals flutete. Doch wer glaubt, dass die Besetzung von Hänsel und Gretel Hexenjäger lediglich das Ergebnis eines lieblosen Castings war, um bekannte Gesichter in Lederkluft vor Green Screens zu jagen, der irrt sich gewaltig. Es ist eine verbreitete Fehleinschätzung, diesen Film als bloßes Nebenprodukt einer kurzlebigen Modeerscheinung abzutun. In Wahrheit markierte dieses Ensemble einen Wendepunkt in der Art und Weise, wie Genrekino mit Star-Power und physischer Präsenz umging, lange bevor das Marvel-Kino die komplette Kontrolle über die Besetzungscouch in Los Angeles übernahm. Ich habe über die Jahre viele Produktionen dieser Größenordnung beobachtet, aber selten gab es eine derartige Diskrepanz zwischen der Wahrnehmung der Kritiker und der tatsächlichen handwerklichen Chemie auf der Leinwand.

Die unterschätzte Wucht der Besetzung von Hänsel und Gretel Hexenjäger

Es war kein Zufall, dass Jeremy Renner und Gemma Arterton für diese Rollen ausgewählt wurden. Zu diesem Zeitpunkt stand Renner kurz davor, durch seine Rolle im ersten Avengers-Film zum globalen Superstar aufzusteigen, doch er brachte eine geerdete, fast schon mürrische Intensität mit, die dem Projekt die nötige Erdung gab. Arterton wiederum, die oft in der Rolle des hübschen Beiwerks gefangen war, bewies hier eine physische Härte, die man ihr in dieser Form kaum zugetraut hatte. Die Besetzung von Hänsel und Gretel Hexenjäger funktionierte deshalb so gut, weil sie die Märchenfiguren nicht als strahlende Helden, sondern als traumatisierte Überlebende mit chronischen Gesundheitsschäden interpretierte. Dass Hänsel im Film an einer Art „Zuckerkrankheit“ leidet, weil er im Hexenhaus zu viel Süßes essen musste, war ein genialer Kniff, der nur funktionierte, weil Renner diesen Zustand mit einer humorlosen Ernsthaftigkeit spielte. Es ist diese Ernsthaftigkeit im Absurden, die das Fundament für den späteren Kultstatus legte. Wer das als bloßen Trash abtut, übersieht die Nuancen, die diese Schauspieler in ihre Rollen einfließen ließen, um eine eigentlich lächerliche Prämisse greifbar zu machen.

Man muss sich vor Augen führen, wie die Branche damals funktionierte. Paramount Pictures suchte nach einem Hit, der das R-Rating, also die Altersfreigabe für Erwachsene, mit einer bekannten Marke kombinierte. Der Regisseur Tommy Wirkola, der zuvor mit norwegischen Zombiefilmen für Aufsehen gesorgt hatte, brachte eine europäische Rohheit mit, die perfekt zu seinen Hauptdarstellern passte. Viele Skeptiker behaupten bis heute, dass der Film ohne die großen Namen sang- und klanglos untergegangen wäre. Das mag stimmen, aber es ist eben kein Argument gegen die Qualität, sondern für die kluge Auswahl der Verantwortlichen. Wenn du zwei Darsteller hast, die bereit sind, sich durch echten Schlamm zu wälzen und dabei eine glaubhafte Geschwisterdynamik aufzubauen, hast du bereits gewonnen. Diese Dynamik ist der Motor des Films und sie ist deutlich organischer als vieles, was wir heute in computergenerierten Blockbustern sehen, wo Schauspieler oft gar nicht mehr im selben Raum stehen.

Die Tiefe hinter den Masken und Prothesen

Ein oft übersehener Aspekt ist die Besetzung der Antagonisten und Nebenfiguren. Famke Janssen als Oberhexe Muriel lieferte eine Performance ab, die zwischen theatralischer Bosheit und physischer Bedrohung balancierte. Es ist leicht, sich hinter dicken Schichten von Make-up zu verstecken, aber Janssen nutzte die Prothesen, um ihre Mimik zu betonen, statt sie davon begraben zu lassen. Hier zeigt sich die wahre Fachkompetenz eines Ensembles. Wenn man bedenkt, dass Edward der Troll von einem echten Schauspieler in einem mechanischen Anzug verkörpert wurde, erkennt man den Wert dieser physischen Arbeit. Robin Atkin Downes lieh dem Troll seine Stimme und schuf so eine Figur, die trotz ihrer Künstlichkeit mehr Seele besaß als manch rein digitaler Charakter der heutigen Ära. Das ist nun mal so: Handarbeit schlägt Pixel, wenn die Akteure dahinter ihr Handwerk verstehen.

Ich erinnere mich an Gespräche mit Branchenkennern, die damals skeptisch waren, ob diese Mischung aus Splatter und Märchen überhaupt ein Publikum finden würde. Doch die Zahlen sprachen eine deutliche Sprache. Weltweit spielte der Film über 220 Millionen Dollar ein, was für eine Produktion mit dieser speziellen Tonalität beachtlich ist. Das lag nicht zuletzt daran, dass das Publikum die Ehrlichkeit der Darstellung spürte. Es gab keine ironische Distanzierung zum Stoff. Die Schauspieler nahmen ihre Welt ernst, egal wie viele Hexenköpfe gerade explodierten. Das ist eine Qualität, die man in modernen Produktionen oft schmerzlich vermisst, wo jede dramatische Szene durch einen unpassenden Witz entwertet wird, nur um sicherzustellen, dass das Publikum ja nicht denkt, der Film nehme sich selbst zu ernst.

Warum das Casting gegen den Strom schwamm

Wenn wir über die Besetzung von Hänsel und Gretel Hexenjäger sprechen, müssen wir auch über das Risiko sprechen, das damit verbunden war. Zu dieser Zeit waren eher glattgebügelte Young-Adult-Adaptionen wie Twilight oder Die Tribute von Panem auf ihrem Höhepunkt. Ein blutiger Actionfilm mit zwei Protagonisten, die am Ende ihrer Dreißiger stehen und sichtlich vom Leben gezeichnet sind, war ein Wagnis. Doch genau diese Entscheidung machte den Film zeitlos. Er wirkt heute weniger gealtert als viele seiner Zeitgenossen, weil er sich auf die physische Präsenz seiner Stars verließ. Das Studio hätte leicht zwei Zwanzigjährige besetzen können, um das junge Publikum anzusprechen, aber sie entschieden sich für Erfahrung und Kante.

Skeptiker führen oft an, dass die Dialoge simpel und die Handlung vorhersehbar seien. Das ist jedoch eine oberflächliche Kritik, die das Genre verkennt. In einem Film wie diesem sind die Dialoge Werkzeuge, keine Selbstzwecke. Sie dienen dazu, die Action voranzutreiben und den Charakteren Kontur zu geben. Ein erfahrener Journalist sieht hier die Effizienz des Erzählens. Jeder Satz von Renner oder Arterton sitzt, weil er den Charakter definiert, ohne Zeit zu verschwenden. Man kann das als Einfachheit bezeichnen oder als meisterhafte Reduktion auf das Wesentliche ansehen. Wenn du Gemma Arterton dabei zusiehst, wie sie mit einer Kopfstoß-Attacke eine Hexe außer Gefecht setzt, brauchst du keinen Shakespeare-Monolog, um zu verstehen, wer diese Frau ist und was sie antreibt.

Die Bedeutung dieses Ensembles geht weit über den einzelnen Film hinaus. Es war ein Beweis dafür, dass europäische Regie-Visionen mit Hollywood-Geld und der richtigen Besetzung funktionieren können, ohne ihre Seele zu verkaufen. Wirkola blieb seinem Stil treu und die Schauspieler folgten ihm in die dunkelsten Winkel dieses schrägen Universums. In einer Zeit, in der Filme oft wie von Algorithmen zusammengestellt wirken, erscheint dieses Casting rückblickend wie eine kleine Rebellion gegen die Belanglosigkeit. Es gibt eine gewisse Autorität in der Art und Weise, wie dieser Film seine Welt etabliert hat, eine Sicherheit, die nur entsteht, wenn alle Beteiligten an denselben Wahnsinn glauben.

💡 Das könnte Sie interessieren: gary glitter rock and roll part 2

Man sollte also aufhören, dieses Projekt als einen Fehler in der Karriere der Beteiligten zu betrachten. Es war vielmehr eine Demonstration von Mut und handwerklicher Präzision. Die Branche hat daraus viel gelernt, auch wenn sie es heute selten zugibt. Die Rückkehr zu handgemachten Effekten und physisch fordernden Rollen, die wir in den letzten Jahren bei Produktionen wie John Wick beobachten konnten, hat ihre Wurzeln auch in solchen mutigen Genre-Experimenten. Es geht darum, dem Zuschauer etwas Echtes zu geben, auch wenn das Echte in diesem Fall eine Hexe ist, die von einer riesigen Armbrust durchlöchert wird.

Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass Qualität im Kino oft dort zu finden ist, wo man sie am wenigsten erwartet. Man kann die Nase rümpfen über das Genre, aber man kann nicht leugnen, dass hier Profis am Werk waren, die genau wussten, was sie taten. Es ist leicht, sich über einen Film lustig zu machen, der so offensiv auf Unterhaltung setzt. Es ist jedoch viel schwieriger, diese Unterhaltung auf einem Niveau zu produzieren, das auch über ein Jahrzehnt später noch diskutiert wird. Das ist keine Frage des Glücks, sondern das Ergebnis einer bewussten kreativen Entscheidung, die bei der Auswahl der Gesichter begann, die wir auf der Leinwand sehen.

Die wahre Magie lag nicht in den Zaubersprüchen der Hexen, sondern in der kompromisslosen Hingabe eines Ensembles, das sich weigerte, seine Rollen als bloße Gehaltsschecks zu betrachten.

TK

Tobias Koch

Mit faktenbasierter Arbeitsweise liefert Tobias Koch Beiträge, die Leserinnen und Lesern Orientierung im Nachrichtengeschehen geben.