besetzung von running wild 2017

besetzung von running wild 2017

Das Licht im Backstage-Bereich der Sporthalle Hamburg war unbarmherzig. Es war der 24. November 2017, ein kalter Freitagabend, an dem der Wind die Elbe peitschte und die Fans vor den Toren in ihre Lederkutten schlüpften. Drinnen, in der stickigen Luft der Garderobe, saß Rolf Kasparek, den alle Welt nur Rock ’n’ Rolf nennt. Er rückte seine Kapitänsjacke zurecht, ein Relikt aus einer Zeit, als Heavy Metal noch nach Salzwasser, Kanonendonner und grenzenloser Freiheit roch. In diesem Moment, kurz bevor die ersten Akkorde von „World 2nd to None“ die Halle erschüttern sollten, lag eine seltsame Spannung in der Luft. Es war nicht mehr die chaotische Energie der achtziger Jahre, als die Bandmitglieder wechselten wie die Gezeiten. Es war die Ruhe einer gut geölten Maschine, getragen durch die Besetzung Von Running Wild 2017, die an diesem Abend beweisen musste, dass das Erbe der Piraten nicht nur aus Nostalgie bestand, sondern aus Fleisch, Blut und donnerndem Schlagzeugspiel.

Rolf blickte auf seine Gitarre, die berühmte Explorer, die schon so viele Schlachten geschlagen hatte. Hinter ihm standen Männer, die keine Gründungsmitglieder waren, aber die Last der Geschichte auf ihren Schultern trugen. Peter Jordan an der Gitarre, Ole Hempelmann am Bass und Michael Wolpers hinter den Kesseln. Es war ein Jahr des Triumphs und der Beständigkeit. Nach der großen Rückkehr auf dem Wacken Open Air im Vorjahr war 2017 das Jahr, in dem die Band ihre Live-Präsenz zementierte. Die Menschen in der Halle warteten nicht auf eine Geschichtsstunde; sie warteten auf die Reinkarnation eines Gefühls, das viele von ihnen seit ihrer Jugend begleitete.

Die Geschichte dieser Band ist eine Geschichte der Transformation. Wer die Entwicklung vom räudigen Speed Metal der frühen Tage bis hin zu den hymnenhaften Strukturen der späten Phase verstehen will, muss die Dynamik zwischen den Musikern betrachten. In den Anfangstagen in Hamburg-Hammerbrook war alles instabil. Musiker kamen und gingen, getrieben von künstlerischen Differenzen oder dem harten Regiment des Kapitäns. Doch im Jahr 2017 wirkte das Gefüge anders. Es herrschte eine professionelle Vertrautheit. Die Chemie auf der Bühne war nicht mehr das Ergebnis von gemeinsamem Aufwachsen im selben Viertel, sondern das Resultat von exzellentem Handwerk und dem tiefen Respekt vor einem Katalog, der das Genre des Pirate Metal überhaupt erst definiert hatte.

Die Stille nach dem Sturm und die Besetzung Von Running Wild 2017

Es gab eine Zeit, in der Running Wild fast aufgehört hätte zu existieren. Der Abschied beim Wacken 2009 fühlte sich endgültig an. Die Flagge war eingeholt, das Schiff schien im Hafen der Musikgeschichte festgemauert. Doch Rock ’n’ Rolf konnte nicht ohne den Lärm. Als er die Band wiederbelebte, stellte sich die Frage, wer diese monumentalen Riffs überhaupt noch mit der nötigen Autorität füllen konnte. Die Suche nach der richtigen Balance zwischen technischer Präzision und dem dreckigen Rock-Feeling der Hamburger Schule war keine leichte Aufgabe.

Michael Wolpers am Schlagzeug brachte eine physische Wucht mit, die den Songs eine neue Erdung gab. Wer ihn 2017 beobachtete, sah keinen bloßen Session-Musiker, sondern einen Motor. Er musste das Erbe von Legenden wie Stefan Schwarzmann oder Iain Finlay antreten, Männern, deren Double-Bass-Salven ganze Generationen von Schlagzeugern geprägt hatten. Wolpers spielte nicht nur die Noten; er interpretierte die Wut und den Stolz eines Mannes, der weiß, dass er das Rückgrat einer Institution bildet. In den Proberäumen vor der Tour wurde jedes Fill-in seziert, jede Betonung diskutiert, bis das Set saß wie eine maßgeschneiderte Uniform.

Ole Hempelmann am Bass bildete dazu den ruhigen Gegenpol. Der Bass bei Running Wild war schon immer mehr als nur Begleitung; er war der Puls, der die hymnischen Gitarrenläufe vorantrieb. In der Formation des Jahres 2017 fand Hempelmann eine Lücke, die er mit einer Mischung aus Understatement und purer Kraft füllte. Es ist diese menschliche Komponente, die oft übersehen wird, wenn Fans über Line-ups streiten. Ein Musiker muss nicht nur spielen können; er muss das Gewicht der Erwartung aushalten, ohne unter ihr zu zerbrechen. Die Fans in den ersten Reihen der Konzertsäle haben ein feines Gespür für Authentizität. Sie merken, ob jemand da oben steht, weil er einen Job erledigt, oder weil er die Musik atmet.

Die Rolle von Peter Jordan ist dabei besonders hervorzuheben. Er ist weit mehr als nur der zweite Gitarrist. Als langjähriger Weggefährte und Produzent versteht er die klangliche Vision von Kasparek wie kaum ein anderer. In der Besetzung Von Running Wild 2017 fungierte er als der Klebstoff, der die Visionen des Bandkopfes in die Realität der Bühne übersetzte. Wenn die beiden ihre harmonisierten Leads spielten, diese typischen, fast schon folkigen Melodien, die über den harten Riffs schwebten, dann entstand jene Magie, die Hamburg seit Jahrzehnten zur Welthauptstadt des Heavy Metal gemacht hat.

Die Architektur des Riffs

Um zu verstehen, warum diese spezifische Zusammenstellung von Musikern funktionierte, muss man tief in die Struktur der Kompositionen eintauchen. Ein Song wie „Under Jolly Roger“ ist im Grunde eine architektonische Leistung. Er basiert auf einer einfachen, aber unerbittlichen Logik. Wenn die Rhythmusgruppe nicht absolut synchron arbeitet, bricht das gesamte Gebilde zusammen. Im Jahr 2017 hatten die Musiker eine Reife erreicht, die es ihnen erlaubte, den alten Stücken eine neue Tiefe zu verleihen. Sie spielten sie nicht schneller, sondern schwerer.

Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass Heavy Metal mit zunehmendem Alter der Protagonisten an Energie verliert. Tatsächlich wird er oft fokussierter. Die Ausschläge nach links und rechts werden seltener, dafür trifft der Schlag in die Magengrube präziser. Kasparek selbst wirkte in diesem Jahr wie ein Mann, der seinen Frieden mit seinem Vermächtnis gemacht hat. Er musste niemandem mehr beweisen, dass er der schnellste Gitarrist der Reeperbahn war. Er wollte der Dirigent eines gewaltigen Chores sein. Und seine Mitstreiter lieferten ihm das Fundament dafür.

Die Tournee führte sie durch Hallen, die nach Bier und Schweiß rochen, Orte, an denen die Zeit stehen geblieben zu sein schien. Doch in der Musik schwang etwas Zeitloses mit. Es ging um die ewigen Themen: Freiheit gegen Unterdrückung, der Einzelne gegen das System, die Weite des Ozeans gegen die Enge der Stadt. Diese Metaphern funktionierten 1987 genauso gut wie drei Jahrzehnte später. Die Musiker auf der Bühne waren die Gefäße für diese Sehnsüchte. Wenn Hempelmann seinen Bass tief hängen ließ und Wolpers das Tempo anzog, verschmolzen Publikum und Band zu einer Einheit, die weit über das bloße Abspielen von Liedgut hinausging.

Ein besonderer Moment im Jahr 2017 war der Auftritt beim Rockharz Open Air. Mitten im Harz, umgeben von dunklen Tannen und schroffen Felsen, wirkte die Piraten-Ästhetik seltsam deplatziert und doch vollkommen richtig. Die Sonne ging langsam hinter den Bergen unter, während die ersten Töne von „Bad to the Bone“ erklangen. In diesem Moment wurde deutlich, dass die Stärke dieser Gruppe in ihrer Beständigkeit lag. Während andere Bands versuchten, sich mit jedem Album neu zu erfinden und dabei oft ihre Identität verloren, blieben Running Wild ihrem Kern treu. Das war kein Stillstand, sondern eine Verfeinerung.

Die Geister der Vergangenheit und die Gegenwart

Man kann über diese Band nicht sprechen, ohne die Schatten derer zu erwähnen, die nicht mehr dabei waren. Die Geschichte von Running Wild ist auch eine Geschichte der Abschiede. Namen wie Preacher, Majk Moti oder Jörg Michael hängen wie Echos in der Luft, wenn die alten Klassiker gespielt werden. Für einen Musiker, der in eine solche Band eintritt, ist das eine psychologische Herausforderung. Man tritt nicht nur einer Gruppe bei; man tritt in ein Museum ein, das nachts lebendig wird.

Die Herausforderung besteht darin, den Klassikern Respekt zu zollen, ohne sie zu kopieren. Im Jahr 2017 gelang dieser Spagat auf bemerkenswerte Weise. Michael Wolpers etwa kopierte nicht den Stil seiner Vorgänger, sondern brachte seinen eigenen, moderneren Anschlag ein, der die Songs in die Gegenwart katapultierte. Es klang frischer, weniger nach den künstlichen Hall-Effekten der achtziger Jahre und mehr nach trockenem, ehrlichem Hard Rock. Diese klangliche Modernisierung war überfällig und gab der Band die nötige Relevanz, um auch vor einem jüngeren Publikum zu bestehen, das mit ganz anderen Sound-Standards aufgewachsen war.

Oft wird Rock ’n’ Rolf vorgeworfen, die Band sei zu einem Soloprojekt verkommen. Doch wer die Interaktion auf der Bühne im Jahr 2017 sah, erkannte die Nuancen. Ein kurzes Zunicken zwischen Kasparek und Jordan, ein grinsender Austausch zwischen Bassist und Schlagzeuger nach einem besonders gelungenen Übergang – das sind die Momente, die eine echte Band ausmachen. Es ist die unsichtbare Kommunikation, die jenseits der Notenblätter stattfindet. In diesen Augenblicken wird aus einer Liste von Namen eine funktionierende soziale Einheit.

Die Bedeutung dieser Phase darf nicht unterschätzt werden. Sie markierte eine Ära der Stabilität in einer ansonsten oft turbulenten Bandhistorie. Nach den Jahren der Ungewissheit und der Computer-Drums auf einigen Studioalben war die Rückkehr zur echten, physischen Bandpräsenz ein Statement. Es war das Bekenntnis zum Handwerklichen. In einer Welt, in der Musik immer öfter aus dem Baukasten kommt, setzten diese Männer auf die rohe Kraft von Marshall-Türmen und handgespielten Rhythmen.

Ein Erbe aus Stahl und Hamburger Regen

Wenn man heute auf das Jahr 2017 zurückblickt, sieht man eine Band auf einem späten Höhepunkt ihrer Live-Kraft. Es war nicht die wilde, unkontrollierte Energie der Jugend, sondern die souveräne Macht von Veteranen. Sie wussten genau, wie sie das Publikum führen mussten, wann sie den Druck erhöhen und wann sie Raum für die großen Melodien lassen mussten. Die Setlists jener Tage waren eine Reise durch die Jahrzehnte, ein Beweis für die Konsistenz eines Songwritings, das sich nie verbogen hat.

In Hamburg, der Stadt, in der alles begann, schloss sich oft der Kreis. Wenn der Regen gegen die Scheiben der Konzerthalle peitschte, fühlte man sich den rauen Anfängen auf St. Pauli näher als den großen Festivalbühnen dieser Welt. Die Musiker spürten diese Verbindung. Es ist ein spezifisch norddeutscher Stolz, der in dieser Musik mitschwingt. Eine gewisse Sturheit, die Dinge so zu machen, wie man sie für richtig hält, ungeachtet aller Trends.

Die Arbeit im Studio und die anschließenden Auftritte erforderten eine Disziplin, die man hinter dem wilden Image oft nicht vermutet. Probenpläne, Logistik, die Abstimmung der Lichtshow – all das lastete auf den Schultern der Beteiligten. Dass die Shows dennoch so leichtfüßig wirkten, war das Verdienst einer Gruppe von Menschen, die perfekt aufeinander eingespielt waren. Sie verstanden, dass sie Teil von etwas Größerem waren als nur einer Rockband. Sie waren die Bewahrer eines Mythos.

Am Ende eines Konzerts, wenn die letzten Töne von „Under Jolly Roger“ verklungen waren und der künstliche Kanonennebel sich langsam verzog, blieb oft ein Moment der Stille. Die Musiker standen am Bühnenrand, verschwitzt, erschöpft, aber sichtlich zufrieden. In diesen Gesichtern las man die Erleichterung darüber, dass die Maschine gehalten hatte. Dass sie den Erwartungen der Fans, die teilweise aus ganz Europa angereist waren, gerecht geworden waren. Es war ein Triumph des Willens über die Zeit.

Die Besetzung Von Running Wild 2017 wird in der Chronik der Band als eine Phase der Konsolidierung und der Rückbesinnung auf alte Stärken in Erinnerung bleiben. Es war das Jahr, in dem Rock ’n’ Rolf bewies, dass seine Piratencrew auch in modernen Gewässern sicher navigieren kann. Ohne diese spezifische Konstellation an den Instrumenten wäre der Weg zu späteren Erfolgen weit steiniger gewesen. Sie gaben der Band das Gesicht, das sie brauchte, um im harten Wettbewerb des Heavy Metal bestehen zu bleiben.

Als das Konzert in Hamburg schließlich endete und die Menschen hinaus in die kalte Nacht traten, summten viele noch die Melodien. Der Wind von der Elbe war immer noch kalt, aber in den Herzen der Fans brannte ein Feuer, das von vier Männern auf einer Bühne entfacht worden war. Es war kein Abschied, sondern ein Versprechen. Die Flagge wehte noch immer, fest verankert im Hamburger Boden, bereit für das nächste Abenteuer auf den weiten Meeren der Musik.

Der letzte Techniker zog das Kabel aus der Gitarre, und für einen Moment war es absolut still in der großen Halle, während nur der Geruch von verbranntem Pyropulver in der Luft hing.

TK

Tobias Koch

Mit faktenbasierter Arbeitsweise liefert Tobias Koch Beiträge, die Leserinnen und Lesern Orientierung im Nachrichtengeschehen geben.