city kaufhaus gmbh & co kg

city kaufhaus gmbh & co kg

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen am Dienstagmorgen in einem fensterlosen Büro im Hinterhaus, die Zahlen der letzten drei Quartale vor sich, und der Schweiß steht Ihnen auf der Stirn. Sie haben gerade zwei Millionen Euro in die Hand genommen, um die Verkaufsfläche zu modernisieren. Neue Regalsysteme, schicke LED-Strahler und ein Bodenbelag, der aussieht wie Sichtbeton, aber eigentlich Vinyl ist. Die Eröffnung war vor zwei Wochen, und trotzdem bleibt die Frequenz im Erdgeschoss hinter den Erwartungen zurück. Währenddessen frisst die Fixkostenstruktur der City Kaufhaus GmbH & Co KG Ihre Liquidität schneller auf, als Sie „Sortimentsanpassung“ sagen können. Ich habe das genau so oft genug miterlebt: Inhaber, die glauben, dass Optik gegen strukturelle Defizite hilft. Sie investieren in die Hülle, während der Kern – die Logistik, das Personalwesen und die Mietverträge – im Jahr 1995 feststeckt. Das kostet Sie am Ende nicht nur das investierte Kapital, sondern bricht dem gesamten Unternehmen das Genick.

Die Illusion der Fassade bei der City Kaufhaus GmbH & Co KG

Ein fataler Irrglaube im Einzelhandel ist die Annahme, dass Kunden allein wegen eines neuen Anstrichs wiederkommen. In meiner Zeit im operativen Geschäft sah ich Manager, die 500.000 Euro für eine neue Glasfront ausgaben, während die Warenwirtschaft im Hintergrund auf einem System lief, das keine Echtzeit-Bestandsabfrage zuließ. Das Ergebnis war vorhersehbar: Die Leute kamen wegen der Werbung, fanden aber nicht die Größe, die sie suchten, weil das System den Bestand falsch anzeigte.

Wer bei der City Kaufhaus GmbH & Co KG nur auf die Optik setzt, verkennt die Realität des modernen Wettbewerbs. Die Lösung liegt nicht im Design, sondern in der radikalen Vereinfachung der internen Prozesse. Wenn Ihr Abteilungsleiter drei Stunden am Tag damit verbringt, händisch Lieferscheine abzugleichen, haben Sie ein Problem, das kein neuer Teppichboden löst. Sie müssen die Manpower auf die Fläche bringen, zum Kunden, nicht ins Lager. Das bedeutet: Investieren Sie zuerst in die digitale Infrastruktur, bevor Sie den ersten Pinselstrich an der Fassade machen. Ein stabiles ERP-System, das mit dem Onlineshop kommuniziert, ist mehr wert als jeder Designer-Kronleuchter in der Parfümerieabteilung.

Mietverträge als schleichendes Gift für die Liquidität

Viele Betreiber behandeln Mietverträge wie Naturgesetze – sie sind da, man zahlt sie, Punkt. Das ist der sicherste Weg in die Insolvenz. In der Praxis habe ich oft erlebt, dass Altverträge aus den Boomjahren der Fußgängerzonen mitgeschleppt werden, die quadratmeterbasierte Mieten vorsehen, die heute völlig unrealistisch sind.

Die Falle der starren Indexmiete

Wer heute noch Mieten zahlt, die sich ausschließlich an der Fläche orientieren, hat den Kampf schon halb verloren. Die Lösung ist der Wechsel zu umsatzbasierten Mieten mit einer niedrigen Sockelmiete. Ich kenne Fälle, in denen die Miete 15 Prozent des Umsatzes fraß. Das hält kein Einzelhändler durch, egal wie gut das Sortiment ist. Gehen Sie zum Vermieter. Seien Sie bereit, den Standort aufzugeben, wenn keine Flexibilität besteht. Ein leerstehendes Kaufhaus ist für den Immobilieneigentümer ein Albtraum. Nutzen Sie das als Hebel. Es ist besser, einen harten Schnitt zu machen und die Fläche zu verkleinern, als monatlich Geld zu verbrennen, nur um eine riesige Schaufensterfront zu bespielen, die niemand mehr braucht.

Das Personal als Kostenfaktor statt als Umsatztreiber

Es gibt diesen Reflex in der Krise: Wir kürzen die Stunden. Das führt dazu, dass zur Kernzeit zwischen 16:00 und 18:00 Uhr zwei Mitarbeiter auf 2.000 Quadratmetern stehen. Die Kunden finden niemanden, die Schlange an der Kasse wird länger, und am Ende verlassen die Leute den Laden ohne Kauf. Das ist kein Sparen, das ist geschäftlicher Selbstmord.

In einem realen Szenario sah das bei einem meiner Projekte so aus: Vorher: Die Schichtplanung erfolgte nach dem Gießkannenprinzip. Zehn Mitarbeiter waren von 9:00 bis 18:00 Uhr da, obwohl morgens kaum jemand den Laden betrat. Am Nachmittag, wenn der Ansturm kam, waren alle in der Pause oder kurz vor Feierabend. Die Beratungsqoute lag bei unter 5 Prozent. Nachher: Wir stellten die Planung radikal auf Frequenzdaten um. Morgens reichten zwei Personen für die Warenannahme und Vorbereitung. Ab 14:00 Uhr wurde die Besetzung verdreifacht. Wir führten ein Provisionsmodell für Zusatzverkäufe ein. Plötzlich war das Personal nicht mehr die Gruppe, die „Geld kostet“, sondern die Gruppe, die aktiv den Bon-Schnitt von 35 Euro auf 52 Euro hob. Die Personalkostenquote sank ironischerweise, obwohl wir in Spitzenzeiten mehr Leute auf der Fläche hatten, weil der Umsatz überproportional stieg.

Falsche Sortimentstiefe und das Kapital im Lager

Ein weiterer klassischer Fehler ist das Klammern an Marken, die „schon immer da waren.“ Ich habe Einkäufer gesehen, die aus purer Nostalgie an Labels festhielten, die eine Drehzahl von unter 1,5 hatten. Das bedeutet, die Ware liegt fast ein Jahr im Regal, bevor sie verkauft wird. Das ist totes Kapital, das Ihnen bei der Bank die Zinsen nach oben treibt.

Die harte Wahrheit ist: Wenn ein Produkt sich nicht innerhalb von 12 Wochen dreht, hat es keinen Platz in Ihrem Haus verdient. Sie sind kein Museum. Schmeißen Sie die Ladenhüter raus, auch wenn es weh tut und Sie hohe Abschreibungen vornehmen müssen. Es ist klüger, Ware mit 50 Prozent Rabatt abzuverkaufen und den Platz für Schnelldreher zu nutzen, als auf das Wunder zu warten, dass jemand zum Vollpreis kauft. Achten Sie auf die Flächenproduktivität. Jeder Quadratmeter muss einen Mindestumsatz erwirtschaften. Wenn die Heimtextilien im dritten Stock diesen Wert nicht erreichen, müssen sie weg – egal wie sehr die Stammkundschaft den Duft von Bettwäsche liebt.

Marketing-Budgets ohne messbare Rückläufe verballern

„Wir machen mal eine Anzeige in der Lokalzeitung.“ Wenn ich diesen Satz höre, weiß ich, dass hier Geld ohne Plan verbrannt wird. Die City Kaufhaus GmbH & Co KG kann es sich nicht leisten, Marketing als Lifestyle-Entscheidung zu betrachten. Anzeigen in Printmedien ohne Tracking-Code oder spezielles Angebot sind für ein mittelständisches Kaufhaus schlichtweg nutzlos.

Stattdessen müssen Sie lokal digital werden. Das bedeutet nicht, dass Sie mit Amazon konkurrieren. Es bedeutet, dass Sie auf dem Smartphone der Leute erscheinen, wenn diese in einem Umkreis von fünf Kilometern nach „Herrenschuhen“ suchen. Investieren Sie in Local SEO und Google Maps. Sorgen Sie dafür, dass Ihr aktueller Bestand online sichtbar ist. Der Kunde von heute recherchiert online und kauft offline – aber nur, wenn er weiß, dass Sie das Gewünschte vorrätig haben. Wer diesen Brückenschlag nicht schafft, verliert die junge Kundschaft komplett. Ein QR-Code im Schaufenster, der direkt zur Verfügbarkeit im Laden führt, bringt mehr als eine ganzseitige Hochglanzanzeige, die am nächsten Tag im Altpapier landet.

Die Arroganz gegenüber der Konkurrenz im Netz

Ich höre oft: „Die Leute wollen das haptische Erlebnis, Online ist anonym.“ Das ist eine gefährliche Beruhigungspille. Ja, Haptik ist toll, aber Bequemlichkeit schlägt Haptik in neun von zehn Fällen. Wenn die Retourenabwicklung bei Ihnen komplizierter ist als eine Steuererklärung, geht der Kunde nächstes Mal wieder zu Zalando.

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Ein Kaufhaus muss heute ein Logistikzentrum mit angeschlossenem Showroom sein. Bieten Sie Click & Collect an, aber machen Sie es richtig. Der Kunde will nicht zur Hauptkasse im vierten Stock laufen, um sein Paket abzuholen. Das Paket muss griffbereit am Eingang liegen. Wenn der Kunde schon da ist, müssen Sie ihm einen Grund geben, noch etwas mitzunehmen. Ein Gutschein für einen Kaffee in der hauseigenen Gastronomie bei jeder Abholung wirkt Wunder für die Verweildauer. Wer den Online-Handel als Feind betrachtet, hat bereits verloren. Er ist ein Werkzeug, um die Leute überhaupt erst wieder in die Innenstadt zu locken.

Realitätscheck

Kommen wir zum Punkt: Ein Kaufhaus zu führen oder zu sanieren, ist im aktuellen Marktumfeld eine der schwierigsten Aufgaben in der Wirtschaft. Wer glaubt, mit ein bisschen Kosmetik und einem freundlichen Lächeln gegen die strukturellen Veränderungen im Konsumverhalten anzukommen, belügt sich selbst. Es braucht eine schmerzhafte Ehrlichkeit gegenüber den eigenen Zahlen. Wenn die Frequenz in der Innenstadt um 30 Prozent sinkt, können Sie das nicht durch „bessere Dekoration“ ausgleichen. Sie müssen Ihre Kostenbasis um 40 Prozent senken oder Ihre Konversionsrate verdoppeln. Beides erfordert radikale Entscheidungen.

Es wird Blut fließen – metaphorisch gesprochen. Sie werden sich von langjährigen Mitarbeitern trennen müssen, die den digitalen Wandel nicht mitgehen. Sie werden Lieferanten auslisten, die Ihnen keine vernünftigen Margen lassen. Und Sie werden vielleicht einsehen müssen, dass zwei Etagen Ihres Hauses besser als Coworking-Space oder Arztpraxis genutzt werden sollten, statt dort mühsam Handtücher zu verkaufen. Erfolg im Einzelhandel ist heute kein Glücksspiel mehr, sondern knallharte Datenanalyse gepaart mit kompromissloser Kundenorientierung. Wenn Sie dazu nicht bereit sind, sparen Sie sich das Geld für die nächste Renovierung und steigen Sie lieber gleich aus. Das ist hart, aber es ist die einzige Wahrheit, die Sie vor dem finanziellen Ruin bewahrt. Wer bleibt, muss kämpfen – und zwar mit dem Taschenrechner in der Hand, nicht mit dem Dekokatalog.

HH

Hannah Hartmann

Mit faktenbasierter Arbeitsweise liefert Hannah Hartmann Beiträge, die Leserinnen und Lesern Orientierung im Nachrichtengeschehen geben.