In einer staubigen Ecke eines Berliner Archivs für Kinematografie liegt ein Premierenplakat aus dem Jahr 1996. Die Farben sind ein wenig verblasst, doch das hämische, triumphierende Lächeln von Goldie Hawn, Bette Midler und Diane Keaton ist so scharf wie eh und je. Sie stehen dort in ihren ikonischen weißen Hosenanzügen, ein Bild der Einigkeit gegen eine Welt, die sie bereits aussortiert hatte. Wenn Menschen heute den Club Der Teufelinnen Ansehen, suchen sie oft nach Nostalgie, nach dem warmen Licht der Neunziger, nach einer Zeit, in der Rache noch mit einer perfekt choreografierten Tanznummer und einem Glas Champagner serviert wurde. Doch hinter dem Slapstick und den scharfzüngigen Dialogen verbirgt sich eine Geschichte über den Wert der weiblichen Identität, die heute, in einer Ära der digitalen Selbstoptimierung und des gläsernen Alterns, eine fast schmerzhafte Relevanz besitzt. Es ist die Erzählung von drei Frauen, die sich weigern, unsichtbar zu werden, nur weil die Gesellschaft beschlossen hat, dass ihre Blütezeit vorüber ist.
Brenda, Elise und Annie sind keine bloßen Karikaturen. Sie sind Gefäße für eine kollektive Erfahrung, die weit über die Grenzen von Manhattan hinausreicht. Der Moment, in dem Brenda an der Beerdigung ihrer gemeinsamen Freundin Cynthia teilnimmt, die sich aus Verzweiflung über den Verrat ihres Mannes das Leben nahm, markiert den emotionalen Nullpunkt der Erzählung. Hier beginnt nicht einfach eine Komödie, sondern eine Rekonstruktion von Würde. Cynthia war das Opfer eines Systems, das Jugend als Währung und Loyalität als veraltetes Konzept betrachtet. Die drei Überlebenden erkennen in der Stille nach der Trauerfeier, dass sie entweder das gleiche Schicksal erleiden oder die Regeln des Spiels radikal ändern müssen. Es ist dieser Funke der Erkenntnis, der die darauffolgende Odyssee antreibt, eine Reise, die weit über das bloße Heimzahlen hinausgeht.
Die Architektur der Revanche und der Club Der Teufelinnen Ansehen
Die Dynamik zwischen den drei Protagonistinnen spiegelt die Zerrissenheit einer Generation wider. Diane Keatons Annie ist die Verkörperung der Sanftmut, die lernen muss, ihre eigene Stimme nicht länger für den Frieden in einer toxischen Ehe zu opfern. Goldie Hawns Elise kämpft gegen den unerbittlichen Jugendwahn Hollywoods, eine Parallele zum echten Leben der Schauspielerin, die damals wie heute die gläserne Decke für Frauen über fünfzig thematisierte. Und Bette Midlers Brenda gibt der Wut eine Form, die ebenso humorvoll wie tiefgreifend ist. Wenn man sich entscheidet, den Club Der Teufelinnen Ansehen zu wollen, begegnet man einer Zeitkapsel, die zeigt, wie sich die Darstellung weiblicher Solidarität gewandelt hat. Es geht nicht um den Sturz der Männer, sondern um den Aufbau eines Fundaments, auf dem Frauen bestehen können, ohne sich gegenseitig als Konkurrentinnen um die schwindenden Ressourcen männlicher Aufmerksamkeit wahrzunehmen.
In der Filmwissenschaft wird oft über den männlichen Blick diskutiert, doch dieses Werk von Regisseur Hugh Wilson nach dem Roman von Olivia Goldsmith etablierte einen Raum, in dem der weibliche Blick die Regie übernimmt. Die Kamera verweilt nicht auf der Schönheit als Objekt, sondern auf der Absurdität der Anstrengung, diese Schönheit zu konservieren. Elises Collagen-Lippen und ihr verzweifelter Kampf gegen jede Falte sind keine Pointen auf ihre Kosten, sondern eine Anklage gegen eine Industrie, die Frauen ihr Gesicht nimmt. In einer der stärksten Szenen des Films betrachten sich die drei Frauen im Spiegel und sehen nicht nur ihre Fehler, sondern ihre gemeinsame Geschichte. Es ist eine Szene der radikalen Akzeptanz, die in der heutigen Welt der Filter und plastischen Korrekturen fast revolutionär wirkt.
Die gesellschaftliche Resonanz in Europa war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung enorm. Während in den USA der Fokus stark auf der satirischen Darstellung der New Yorker High Society lag, sahen Kritiker in Deutschland und Frankreich darin eine Auseinandersetzung mit dem bürgerlichen Familienmodell der Nachkriegszeit. Das Versprechen, dass harte Arbeit an der Seite eines Mannes mit lebenslanger Sicherheit belohnt würde, entpuppte sich als Illusion. Die Geschichte wurde zu einer Hymne für all jene, die feststellen mussten, dass das Patriarchat keine Rentenversicherung für Emotionen kennt. Es ist die bittere Erkenntnis, dass man das Imperium mit aufgebaut hat, nur um vor die Tür gesetzt zu werden, wenn die Fassade zu bröckeln beginnt.
Der Klang der Unabhängigkeit
Musik spielt in dieser Erzählung eine tragende Rolle, die weit über die Untermalung hinausgeht. Das Finale, in dem die drei Frauen „You Don't Own Me“ singen, ist kein zufälliger Popsong. Es ist ein Manifest. Lesley Gores Original aus den 1960er Jahren war bereits ein früher Schrei nach Autonomie, doch in den Kehlen dieser drei Frauen in den Neunzigern erhielt es eine neue, reifere Bedeutung. Es war nicht mehr der Trotz eines Teenagers, sondern die fundierte Unabhängigkeit von Frauen, die alles verloren hatten und dadurch frei wurden. Wer heute den Club Der Teufelinnen Ansehen möchte, wird feststellen, dass diese Freiheit nichts von ihrer Strahlkraft eingebüßt hat. Es ist die Freiheit, die entsteht, wenn man aufhört, um Erlaubnis zu bitten, im Raum zu sein.
Die Produktion selbst war ein Wagnis. Paramount Pictures zweifelte ursprünglich am kommerziellen Erfolg eines Films, der drei Frauen mittleren Alters in den Mittelpunkt stellte. Die konventionelle Weisheit besagte, dass junge Männer das Kinokassen-Ergebnis bestimmen. Doch das Publikum strafte die Skeptiker Lügen. Der Film spielte weltweit über 180 Millionen Dollar ein und bewies, dass die Sehnsucht nach Geschichten über weibliche Selbstermächtigung universell ist. Es war ein Signal an die Studios, dass es eine riesige, unterversorgte Zielgruppe gab, die darauf wartete, ihre eigenen Kämpfe und Triumphe auf der Leinwand repräsentiert zu sehen.
Man spürt in jeder Minute des Films die Spielfreude der Darstellerinnen, eine Chemie, die man nicht im Labor züchten kann. Es wird berichtet, dass Midler, Hawn und Keaton am Set oft improvisierten, was dem Werk eine Lebendigkeit verleiht, die vielen modernen, streng durchgetakteten Produktionen fehlt. Diese Echtheit ist es, die den Zuschauer bindet. Man lacht nicht über sie, sondern mit ihnen. Wenn sie das Apartment von Annies Ex-Mann leerräumen, ist das kein Akt der Kleinkriminalität, sondern eine Rückholaktion von Lebenszeit und Energie.
Die Relevanz dieser Geschichte erstreckt sich bis in die heutigen Debatten über Gleichberechtigung am Arbeitsplatz und die unbezahlte Care-Arbeit. Brenda hat das Geschäft ihres Mannes mit ihrem Erbe und ihrer Arbeit erst möglich gemacht. Annie hat ihre Träume für die Karriere ihres Mannes zurückgestellt. Der Film macht deutlich, dass diese Frauen nicht einfach nur Ehefrauen waren; sie waren Partnerinnen, Investoren und Strateginnen. Ihr Rachefeldzug ist im Kern eine Umverteilung von Kapital — sowohl emotionalem als auch finanziellem. Sie fordern ihren Anteil an der Welt ein, die sie mitgestaltet haben.
In der heutigen Zeit, in der soziale Medien oft eine polierte Version des Lebens verlangen, wirkt die Unverblümtheit dieser drei Charaktere wie eine Befreiung. Sie scheitern, sie streiten sich, sie sind eitel und manchmal kleinlich. Doch gerade diese menschlichen Schwächen machen ihren späteren Sieg so befriedigend. Sie müssen nicht perfekt sein, um Gerechtigkeit zu verdienen. Das ist eine Botschaft, die oft in der Flut von Heldinnengeschichten verloren geht, in denen Frauen heute oft als makellose Ikonen dargestellt werden. Diese Frauen sind keine Ikonen; sie sind Nachbarinnen, Mütter und Freundinnen, die beschlossen haben, dass genug genug ist.
Die filmische Reise endet nicht mit der Zerstörung der Männer, sondern mit der Gründung eines Krisenzentrums für Frauen. Dies ist der entscheidende erzählerische Kniff. Rache allein ist ein hohler Sieg, ein kurzfristiger Rausch, der die Leere nicht füllt. Indem sie ihren Schmerz in eine Institution verwandeln, die anderen hilft, brechen sie den Kreislauf der Bitterkeit. Sie ersetzen die Zerstörung durch Konstruktion. Das ist die wahre Transformation der Geschichte: Von Opfern zu Rächerinnen zu Mentorinnen. Sie nutzen die Trümmer ihrer alten Leben, um ein Haus für die Zukunft zu bauen.
Wenn der Abspann läuft und die letzten Töne von Lesley Gore verhallen, bleibt ein Gefühl von Trotz zurück. Es ist kein lauter, aggressiver Trotz, sondern ein ruhiges Wissen um die eigene Stärke. Die Geschichte erinnert uns daran, dass Solidarität kein abstrakter Begriff ist, sondern eine tägliche Entscheidung. Sie zeigt uns, dass man die Welt nicht alleine verändern kann, aber dass drei entschlossene Personen in weißen Anzügen ein verdammt guter Anfang sind.
Das Plakat im Archiv mag verblassen, doch die Energie, die es ausstrahlt, ist unzerstörbar. In einer Welt, die sich immer schneller dreht und die das Alte oft vorschnell gegen das Neue eintauscht, bleibt die Geschichte dieser drei Frauen ein Anker. Sie erinnert uns daran, dass wir nicht durch unsere Verluste definiert werden, sondern durch das, was wir aus ihnen machen. Und während die Lichter im Kinosaal oder im heimischen Wohnzimmer langsam angehen, bleibt das Lächeln der drei Frauen im Gedächtnis — ein Lächeln, das sagt: Wir sind noch hier, und wir fangen gerade erst an.
Die letzte Einstellung zeigt sie, wie sie Arm in Arm die Straße hinuntergehen, unaufhaltsam und endlich im Einklang mit sich selbst.