film hansel and gretel witch hunters

film hansel and gretel witch hunters

Hänsel und Gretel haben die Nase voll von Lebkuchenhäusern. Wer die klassische Geschichte der Gebrüder Grimm im Kopf hat, wird bei diesem Spektakel erst einmal schlucken müssen, denn hier fliegen Gedärme statt Brotkrumen. Als der Film Hansel And Gretel Witch Hunters im Jahr 2013 in die Kinos kam, wussten viele Kritiker nicht so recht, was sie mit dieser bizarren Mischung aus historischem Märchenflair und moderner Splatter-Action anfangen sollten. Ich erinnere mich noch gut an den Kinostart. Die Erwartungen waren gespalten. Auf der einen Seite lockte Jeremy Renner, der gerade durch seine Rolle als Hawkeye im Marvel-Universum zum Weltstar aufgestiegen war. Auf der anderen Seite wirkte das Konzept eines Action-Märchens fast schon zu gewagt für das Mainstream-Publikum. Doch genau dieser Mut zur Lücke macht das Werk heute so interessant. Es ist ein lauter, blutiger und herrlich respektloser Ritt durch einen düsteren Wald, der mehr mit einem Rockkonzert als mit einer Gutenachtgeschichte gemeinsam hat.

Die visuelle Gewalt im Film Hansel And Gretel Witch Hunters

Regisseur Tommy Wirkola, der bereits mit „Dead Snow“ bewiesen hatte, dass er ein Händchen für kruden Humor und explizite Gewalt hat, drückt hier ordentlich aufs Gaspedal. Das ist kein Streifen für schwache Nerven oder Leute, die historische Akkuratesse suchen. Die Geschwister jagen Hexen mit Waffen, die direkt aus einem Steampunk-Albtraum stammen könnten. Es gibt Repetierarmbrüste, Schrotflinten und mechanische Fallen. Das Design dieser Werkzeuge ist fantastisch. Man spürt das Gewicht der Metallteile in jeder Szene.

Ein zentraler Aspekt, der diese Produktion von anderen CGI-Gewittern abhebt, ist der Einsatz von praktischen Effekten. Wenn der Troll Edward über die Leinwand stampft, sieht man echte Texturen. Man fühlt die Schwere seiner Schritte. Das liegt daran, dass Wirkola und sein Team auf Animatronics und aufwendiges Make-up setzten, statt alles im Computer zu generieren. Das gibt dem Ganzen eine haptische Qualität, die man in modernen Blockbustern oft schmerzlich vermisst. Die Maskenbildner leisteten hier ganze Arbeit. Jede Hexe sieht individuell und herrlich ekelhaft aus. Es gibt keine generischen Gesichter.

Warum praktische Effekte den Unterschied machen

In einer Zeit, in der fast jeder Hintergrund aus einem Greenscreen besteht, wirkt diese Herangehensweise fast schon nostalgisch. Ich habe oft beobachtet, wie Filme an Charme verlieren, wenn alles zu glatt gebügelt ist. Hier ist das Gegenteil der Fall. Der Schlamm sieht aus wie Schlamm. Das Blut spritzt in einer Weise, die an alte Sam-Raimi-Filme erinnert. Es ist übertrieben, ja, aber es passt zur inneren Logik dieser Welt. Wer sich für die Hintergründe der Spezialeffekte interessiert, findet bei der Academy of Motion Picture Arts and Sciences oft spannende Einblicke in die Handwerkskunst, die hinter solchen Monster-Designs steckt.

Das Kostümdesign als erzählerisches Mittel

Die Kleidung von Hänsel und Gretel ist funktional. Leder, Schnallen, Schutzkleidung. Es ist die Uniform von Profis. Sie sind keine Opfer mehr. Sie sind die Jäger. Das spiegelt sich in jedem Detail wider. Während die Dorfbewohner in klassisch-mittelalterlichen Gewändern herumlaufen, wirken die Geschwister wie Fremdkörper aus einer anderen Zeit. Dieser visuelle Kontrast unterstreicht ihre Isolation. Sie gehören nirgendwo dazu außer in den Wald, auf die Jagd.

Jeremy Renner und Gemma Arterton als ungleiches Duo

Die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern ist der Kleber, der den Wahnsinn zusammenhält. Jeremy Renner spielt Hänsel als einen Mann, der vom Leben gezeichnet ist. Er leidet unter „Zuckerkrankheit“ – eine geniale Anspielung auf das Trauma im Lebkuchenhaus. Er muss sich regelmäßig Insulin spritzen. Das gibt seinem Charakter eine menschliche Schwäche inmitten all der übermenschlichen Action. Er ist kein unverwundbarer Held. Er ist ein Handwerker des Todes, der seinen Job macht, weil er nichts anderes kann.

Gemma Arterton hingegen verleiht Gretel eine kühle Entschlossenheit. Sie ist oft diejenige, die den Überblick behält, während ihr Bruder blindlings in die Gefahr rennt. Ihre physische Präsenz in den Kämpfen ist beeindruckend. Sie nimmt Schläge ein und teilt noch härter aus. Es gibt keine unnötige Romantisierung ihrer Figur. Sie ist eine Kriegerin. Punkt. Dass die beiden als Geschwister funktionieren, nimmt man ihnen in jeder Sekunde ab. Ihre Dialoge sind kurz, oft sarkastisch und frei von unnötigem Pathos.

Die Dynamik der Geschwisterbeziehung

Es ist erfrischend zu sehen, dass die Handlung nicht auf einer Liebesgeschichte basiert. Es geht um familiären Zusammenhalt gegen das absolut Böse. In vielen Hollywood-Produktionen wird zwanghaft ein Love-Interest eingebaut, der die Handlung nur ausbremst. Hier bleibt der Fokus klar. Die Geschwister haben ein gemeinsames Ziel: Rache und Schutz der Unschuldigen. Diese Zielstrebigkeit treibt das Tempo des Films enorm voran. Man hat kaum Zeit zum Durchatmen, bevor die nächste Konfrontation ansteht.

Famke Janssen als ikonische Gegenspielerin

Man kann nicht über diesen Cast sprechen, ohne Famke Janssen zu erwähnen. Als Oberhexe Muriel liefert sie eine Performance ab, die irgendwo zwischen theatralisch und absolut bedrohlich schwankt. Sie genießt ihre Boshaftigkeit sichtlich. Ihre Verwandlungsszenen sind visuelle Highlights. Janssen bringt eine Eleganz in die Rolle, die im krassen Gegensatz zu ihrer wahren, verrotteten Gestalt steht. Das Spiel mit der Identität ist ein zentrales Thema der Hexenmythologie, das hier konsequent genutzt wird.

Einflüsse und Genre-Mix

Man merkt dem Werk an, dass die Macher Fans von Genrefilmen sind. Es gibt Anleihen beim Western, beim Horror und beim klassischen Abenteuerfilm. Diese Mischung führt dazu, dass man den Streifen nicht in eine einzige Schublade stecken kann. Er ist zu blutig für einen reinen Familienfilm, aber zu humorvoll für einen ernsthaften Horrorfilm. Genau diese Unentschlossenheit wurde von der Kritik oft bemängelt. Ich sehe das anders. Es ist ein mutiger Bruch mit Sehgewohnheiten.

Die Welt, in der die Handlung spielt, fühlt sich bewohnt an. Die düsteren Wälder wirken endlos. Die kleinen Städte sind schmutzig und eng. Es herrscht eine Atmosphäre der ständigen Bedrohung. Das erinnert an Filme wie „Evil Dead“ oder „Braindead“, ohne diese plump zu kopieren. Man spürt die Liebe zum Detail in jedem Set-Design. Wer mehr über die Einordnung solcher Genrefilme erfahren möchte, kann sich auf Portalen wie IMDb durch die Filmografien der Beteiligten klicken, um die Entwicklung dieses spezifischen Stils nachzuvollziehen.

Humor als Ventil für die Gewalt

Ohne den schwarzen Humor wäre die Brutalität schwer zu ertragen. Es gibt Momente, die so absurd sind, dass man lachen muss. Ein Kopf, der wie eine Melone zerplatzt, oder ein Troll, der einen Sheriff buchstäblich in den Boden stampft. Das ist Comic-Gewalt in Reinform. Sie dient nicht dazu, zu schockieren, sondern das Publikum zu unterhalten. Wer hier Realismus sucht, ist im falschen Saal gelandet. Der Film weiß genau, was er ist: Popcorn-Kino für Erwachsene.

Die Bedeutung der Filmmusik

Hans Zimmer produzierte den Soundtrack, und man hört es. Die treibenden Rhythmen unterstützen die Actionsequenzen perfekt. Die Musik ist modern, fast schon rockig, was den anachronistischen Charakter des Films unterstreicht. Sie gibt den Kämpfen eine Wucht, die rein visuell kaum zu erreichen wäre. Wenn die Geschwister ihre Waffen ziehen und das Thema einsetzt, weiß man, dass es jetzt ernst wird.

Rezeption und finanzieller Erfolg

Trotz der eher verhaltenen Kritiken war die Produktion an den Kinokassen ein Erfolg. Besonders international, außerhalb der USA, fand der Film Hansel And Gretel Witch Hunters ein großes Publikum. Das Budget lag bei etwa 50 Millionen Dollar, während das weltweite Einspielergebnis die 200-Millionen-Marke knackte. Das zeigt deutlich, dass es ein großes Bedürfnis nach originellen Stoffen jenseits der üblichen Superhelden-Formel gibt. Die Zuschauer wollten etwas Neues, etwas Dreckiges sehen.

Interessanterweise entwickelte sich nach der Heimkino-Auswertung eine treue Fangemeinde. Die Unrated-Version, die noch einmal deutlich mehr Blut und Szenen enthielt, trug maßgeblich zum Kultstatus bei. Hier konnten Fans das volle Ausmaß von Wirkolas Vision erleben. Es ist oft so, dass Filme, die im Kino untergehen oder missverstanden werden, auf DVD und Blu-ray ihr wahres Potenzial entfalten.

Die enttäuschten Hoffnungen auf eine Fortsetzung

Jahrelang gab es Gerüchte über einen zweiten Teil. Die Fans forderten ihn lautstark. Skripte wurden geschrieben, Regisseure kamen und gingen. Letztlich verlief das Projekt im Sande. Es gab Pläne für eine TV-Serie, doch auch hierzu blieb es still. Das ist schade, denn die Welt bot noch so viel Potenzial für weitere Geschichten. Man hätte andere Märchenfiguren einführen können, die ebenfalls einen düsteren Twist erhalten. Aber vielleicht ist es auch gut so. So bleibt das Werk als Solitär stehen, ungetrübt von mittelmäßigen Fortsetzungen, die den Kern der Idee oft verwässern.

Der Einfluss auf spätere Märchen-Adaptionen

Man sieht Spuren dieses Stils in Filmen wie „Snow White and the Huntsman“ oder auch in Serien wie „The Witcher“. Die Idee, bekannte Stoffe düsterer und actionreicher zu interpretieren, wurde durch diesen Erfolg befeuert. Das Publikum hat bewiesen, dass es bereit ist für eine Dekonstruktion klassischer Erzählungen. Märchen müssen nicht immer moralisierend und kindgerecht sein. Sie waren in ihrer ursprünglichen Form oft grausam und beängstigend. Wirkola ist somit näher an der Quelle, als es auf den ersten Blick scheint.

Warum das Werk heute noch relevant ist

Wenn man sich den Streifen heute ansieht, wirkt er erstaunlich zeitlos. Die Effekte sind nicht so schlecht gealtert wie bei vielen rein digitalen Produktionen aus derselben Ära. Die Action ist klar gefilmt, ohne das hektische Schnittgewitter, das viele moderne Filme unerträglich macht. Man kann den Choreografien folgen. Man erkennt, wer gegen wen kämpft. Das ist eine Kunstform für sich, die oft unterschätzt wird.

Zudem ist das Tempo perfekt. Mit einer Laufzeit von knapp 90 Minuten gibt es keinen Leerlauf. Jede Szene bringt die Handlung voran oder dient der Charakterentwicklung. In einer Zeit, in der jeder Blockbuster meint, die Drei-Stunden-Marke knacken zu müssen, ist das eine Wohltat. Man bekommt genau das geliefert, was auf der Packung steht: Hexenjäger bei der Arbeit.

Ein Plädoyer für den "Guilty Pleasure"

Es gibt Filme, die man schaut, um intellektuell stimuliert zu werden. Und es gibt Filme, die man schaut, um Spaß zu haben. Dieses Werk gehört eindeutig in die zweite Kategorie. Es ist ein "Guilty Pleasure", zu dem man stehen sollte. Es braucht keine tiefgreifende Analyse der menschlichen Psyche, wenn eine Hexe mit einer Gatling-Gun vom Himmel geholt wird. Manchmal reicht das völlig aus. Die Freude am Absurden ist ein wichtiger Teil des Kinoerlebnisses.

Die handwerkliche Qualität hinter dem Trash-Faktor

Man darf den Trash-Faktor nicht mit mangelnder Qualität verwechseln. Die Kameraarbeit von Michael Bonvillain ist erstklassig. Er fängt die düstere Atmosphäre der Wälder ein, ohne dass das Bild absäuft. Die Beleuchtung setzt gezielte Akzente, besonders in den Szenen im Inneren der Hexenhäuser. Alles wirkt wie aus einem Guss. Man merkt, dass hier Profis am Werk waren, die ihre Vision konsequent durchgezogen haben. Informationen zu technischen Aspekten und Filmförderungen in Europa lassen sich übrigens oft auf den Seiten der Filmförderungsanstalt finden, da viele dieser Großproduktionen europäische Standorte nutzen.

Wie man das Beste aus dem Seherlebnis herausholt

Wer den Streifen noch nicht kennt oder ihn wiederentdecken möchte, sollte ein paar Dinge beachten. Erstens: Schalte den Kopf aus. Wer hier Logiklöcher sucht, wird fündig, aber er verpasst den Spaß. Zweitens: Suche dir die Unrated-Fassung. Die Kinofassung ist okay, aber die längere Version zeigt erst richtig, was die Maskenbildner draufhaben. Es sind oft nur kleine Nuancen, aber sie machen den Unterschied in der Tonalität aus.

Man kann den Film wunderbar mit Freunden schauen. Er lädt geradezu dazu ein, kommentiert zu werden. Es ist ein Gemeinschaftserlebnis. Die Sprüche von Hänsel sind so trocken, dass sie fast schon wieder cool sind. Die Actionsequenzen sind spektakulär genug, um auch beim dritten Mal noch zu unterhalten.

  1. Besorge dir die Unrated-Version für das volle Erlebnis.
  2. Achte auf die praktischen Effekte und das Monster-Design.
  3. Genieße die Chemie zwischen Renner und Arterton.
  4. Schau dir im Anschluss Interviews mit Tommy Wirkola an, um seinen Humor besser zu verstehen.
  5. Vergleiche den Film mit anderen Märchen-Adaptionen der 2010er Jahre.

Ehrlich gesagt gibt es wenig Vergleichbares aus dieser Zeit, das so konsequent auf Unterhaltung setzt. Es ist kein Meisterwerk der Filmgeschichte, aber es ist ein verdammt guter Actionfilm. Die Mischung aus Splatter, Fantasy und Buddy-Movie funktioniert einfach. Das ist letztlich das, was zählt. Wenn die Credits rollen, hat man ein Lächeln im Gesicht. Und vielleicht ein bisschen Lust auf Lebkuchen – aber ohne Hexenbeilage.

In der Retrospektive ist es fast ein Wunder, dass so ein Projekt grünes Licht bekam. Es ist mutig, es ist laut und es schert sich einen Dreck um Konventionen. Genau das macht es so sympathisch. Wer bereit ist, sich auf diese Reise einzulassen, wird nicht enttäuscht. Die Geschwister sind bereit für die Jagd. Bist du es auch?

Man sollte sich vor dem Schauen klarmachen, dass dies kein Kinderfilm ist. Die Altersfreigabe hat ihren Grund. Aber für Fans von gepflegter Action und dunkler Fantasy ist es ein absolutes Muss. Es ist schade, dass wir nie erfahren werden, welche Abenteuer die beiden Jäger noch erlebt hätten. Aber die 90 Minuten, die wir haben, sind Gold wert. Pack die Armbrust ein, es geht in den Wald.

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TK

Tobias Koch

Mit faktenbasierter Arbeitsweise liefert Tobias Koch Beiträge, die Leserinnen und Lesern Orientierung im Nachrichtengeschehen geben.