go tell it on the mountains

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Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung stellte am Montag in Berlin eine neue Strategie zur Förderung globaler Kulturprojekte vor, die unter dem Leitbegriff Go Tell It On The Mountains firmiert. Bundesministerin Svenja Schulze erklärte vor Pressevertretern, dass die Initiative eine stärkere Sichtbarkeit von Künstlern aus dem globalen Süden in europäischen Kulturräumen bezweckt. Die Bundesregierung stellt für das kommende Haushaltsjahr ein Startbudget von 15 Millionen Euro bereit, um Austauschprogramme und digitale Plattformen zu finanzieren.

Die strukturelle Neuausrichtung reagiert auf Forderungen internationaler Kulturverbände nach einer gerechteren Verteilung von Fördermitteln. Laut einer Analyse der Kulturpolitischen Gesellschaft flossen bisher weniger als acht Prozent der deutschen Auslandskulturmittel direkt in Projekte lokaler Akteure in Subsahara-Afrika oder Südostasien. Das neue Programm soll diesen Anteil bis zum Jahr 2028 auf 25 Prozent erhöhen.

Implementierung Von Go Tell It On The Mountains Im Bildungssektor

Ein zentraler Bestandteil der Regierungsinitiative umfasst die Kooperation mit akademischen Einrichtungen in Deutschland und Partnerländern. Das Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) übernimmt die Verwaltung der Stipendienprogramme, die speziell für Kuratoren und Kulturmanager konzipiert wurden. DAAD-Präsident Joybrato Mukherjee betonte, dass der Wissenstransfer nicht mehr als Einbahnstraße verstanden werden dürfe.

Die Einbindung in den Bildungssektor erfolgt über bilaterale Verträge mit Universitäten in Nairobi, Lagos und Jakarta. Diese Abkommen sehen vor, dass gemeinsame Forschungsprojekte zur Bewahrung immateriellen Kulturerbes staatlich bezuschusst werden. Das Auswärtige Amt unterstützt diese Bemühungen durch die Bereitstellung von Visa-Kontingenten für beteiligte Wissenschaftler und Künstler.

Fachliche Schwerpunkte Der Akademischen Zusammenarbeit

Innerhalb dieser Kooperationen bilden digitale Archivierungstechniken einen Schwerpunkt der praktischen Arbeit. Experten des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Informationstechnik unterstützen die Partnerorganisationen bei der Digitalisierung historischer Tondokumente und Manuskripte. Die Datenhoheit verbleibt dabei vertraglich geregelt bei den Ursprungsinstitutionen in den jeweiligen Herkunftsländern.

Ein weiterer Fokus liegt auf der Entwicklung nachhaltiger Geschäftsmodelle für lokale Kulturzentren. Dozenten der Hertie School in Berlin bieten im Rahmen des Programms Seminare zu Finanzmanagement und Fundraising an. Ziel ist die finanzielle Unabhängigkeit dieser Zentren von kurzfristigen internationalen Projektgeldern.

Finanzielle Rahmenbedingungen Und Mittelvergabe

Die Vergabe der Gelder ist an strikte Transparenzkriterien geknüpft, die das Bundesfinanzministerium in Zusammenarbeit mit dem Bundesrechnungshof erarbeitete. Jedes geförderte Projekt muss einen detaillierten Wirkungsbericht vorlegen, der die Verwendung der Mittel bis auf die Ebene lokaler Subunternehmer aufschlüsselt. Diese Maßnahme dient der Prävention von Korruption und der Sicherstellung einer effizienten Ressourcennutzung.

Kritik an der bürokratischen Hürde kam von kleineren Nichtregierungsorganisationen, die einen Ausschluss von der Förderung befürchten. Der Verband Entwicklungspolitik und Humanitäre Hilfe deutscher Nichtregierungsorganisationen (VENRO) wies darauf hin, dass die Dokumentationspflichten personelle Kapazitäten binden, die vor Ort oft fehlen. Die Bundesregierung entgegnete, dass ein Teil der Fördersumme explizit für administrative Unterstützung verwendet werden darf.

Prüfung Der Mittelverwendung Durch Unabhängige Gremien

Ein Beirat aus internationalen Experten und Vertretern der Zivilgesellschaft überwacht den Auswahlprozess der Anträge. Die Mitglieder dieses Gremiums werden für eine Amtszeit von drei Jahren berufen und agieren unabhängig von politischen Weisungen. Das Gremium veröffentlicht jährlich einen Bericht über die erreichten Meilensteine und die geografische Verteilung der bewilligten Mittel.

In den ersten Auswahlrunden erhielten Projekte in Äthiopien und Kolumbien den Vorzug, da diese bereits über bestehende Strukturen für die Implementierung verfügten. Das Programm Go Tell It On The Mountains sieht vor, dass in der zweiten Phase verstärkt Länder mit schwächerer Infrastruktur berücksichtigt werden. Hierfür plant das Ministerium zusätzliche Beratungsangebote für Antragsteller ein.

Herausforderungen Und Strukturelle Widerstände

Trotz der politischen Unterstützung sieht sich die Initiative internen und externen Hindernissen gegenüber. In einigen Partnerländern erschweren restriktive Gesetze zur Versammlungsfreiheit die Arbeit der Kulturakteure erheblich. Diplomaten des Auswärtigen Amtes führen hierzu Gespräche mit lokalen Behörden, um Schutzräume für die künstlerische Arbeit zu garantieren.

Ein interner Bericht des Ministeriums, der im Gemeinsamen Ministerialblatt teilweise zitiert wurde, weist auf Verzögerungen bei der Besetzung der Koordinationsstellen hin. Fachkräftemangel in der Verwaltung und komplexe Sicherheitsüberprüfungen in Krisenregionen verlangsamen den Start einiger Teilprojekte. Die Regierung plant nun, verstärkt auf lokales Personal in den Partnerländern zu setzen, um diese Engpässe zu überbrücken.

Logistische Hürden In Peripheren Regionen

Die physische Erreichbarkeit vieler Projektstandorte bleibt eine logistische Herausforderung für die beteiligten Organisationen. In ländlichen Gebieten fehlt oft die notwendige Breitbandverbindung, um die geplanten digitalen Plattformen effektiv zu nutzen. Das Ministerium prüft derzeit die Bereitstellung von satellitengestützten Internetlösungen für ausgewählte Standorte.

Zudem führen schwankende Wechselkurse zu Kalkulationsrisiken bei der Budgetplanung der Projekte. Um diese Risiken abzufedern, wurde ein Notfallfonds eingerichtet, der bei extremen Währungsschwankungen eingreift. Diese Absicherung gilt als Voraussetzung für die Teilnahme von Partnern aus Ländern mit instabilen Finanzmärkten.

Reaktionen Der Internationalen Gemeinschaft

Die Reaktionen auf die deutsche Initiative fielen international gemischt aus. Während die UNESCO die Fokussierung auf den globalen Süden lobte, äußerten Vertreter einiger EU-Mitgliedstaaten Bedenken hinsichtlich einer möglichen Doppelung bestehender europäischer Programme. Eine Sprecherin der Europäischen Kommission betonte die Notwendigkeit einer engen Abstimmung, um Synergieeffekte zwischen nationalen und europäischen Töpfen zu erzielen.

In den betroffenen Regionen selbst wird die Initiative als Schritt in die richtige Richtung wahrgenommen, jedoch mit Vorbehalten hinsichtlich der Langfristigkeit. Der panafrikanische Kulturrat forderte in einer Stellungnahme, dass die Förderung nicht an politische Bedingungen geknüpft sein dürfe. Die Bundesregierung versicherte daraufhin, dass die künstlerische Freiheit im Zentrum der Kooperation stehe.

Kulturelle Souveränität Und Postkoloniale Debatten

Die Diskussion um die Rückgabe von Kulturgütern beeinflusst auch den Rahmen dieser neuen Förderstruktur. Viele Partnerorganisationen fordern, dass die finanzielle Unterstützung nicht als Ersatz für Restitutionsverhandlungen dienen darf. Das Programm adressiert diesen Punkt durch die Förderung von Forschungsprojekten zur Provenienzforschung in den Herkunftsländern.

Wissenschaftler der Humboldt-Universität zu Berlin wiesen darauf hin, dass echte Partnerschaft nur durch die Anerkennung unterschiedlicher Wissenssysteme entstehen kann. Die Initiative integriert daher verstärkt traditionelle Erzählformen und lokale Sprachen in ihre digitalen Archive. Dies soll sicherstellen, dass die Inhalte für die Gemeinschaften vor Ort relevant bleiben.

Technologische Innovationen In Der Kulturvermittlung

Ein wesentlicher Teil des Budgets fließt in die Entwicklung von Augmented Reality Anwendungen, die Kulturerbe für ein breites Publikum zugänglich machen sollen. Entwicklerteams aus Deutschland arbeiten hierbei eng mit lokalen Künstlern zusammen, um digitale Rundgänge durch historische Stätten zu erstellen. Diese Anwendungen werden kostenlos zur Verfügung gestellt und sollen auch in Schulen eingesetzt werden.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) überwacht die technische Sicherheit der entwickelten Plattformen. Da sensible kulturelle Daten gespeichert werden, ist ein hoher Schutzstandard gegen unbefugte Zugriffe erforderlich. Die Server für diese Plattformen stehen unter der Aufsicht internationaler Konsortien, um den Zugriff durch einzelne Regierungen zu beschränken.

Nachhaltigkeit Und Ressourceneffizienz

Die technische Infrastruktur wird unter dem Aspekt der Klimaneutralität errichtet. Rechenzentren, die für die Speicherung der umfangreichen Mediendaten genutzt werden, beziehen ihren Strom vorrangig aus erneuerbaren Energiequellen. In sonnenreichen Regionen werden die lokalen Koordinationsbüros mit Photovoltaikanlagen ausgestattet.

Dieses Engagement für Nachhaltigkeit ist Teil der übergeordneten Strategie des Ministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Die Reduzierung des ökologischen Fußabdrucks bei gleichzeitigem Ausbau der digitalen Präsenz gilt als wegweisend für zukünftige Kulturprojekte. Erste Evaluierungen der Pilotphase zeigen eine hohe Akzeptanz dieser Maßnahmen bei den Partnerorganisationen.

Ausblick Und Zukünftige Entwicklungen

Für das kommende Kalenderjahr ist eine erste umfassende Evaluation der Programmwirkung durch ein unabhängiges Institut für Entwicklungsforschung geplant. Die Ergebnisse dieses Berichts werden über die Fortführung und mögliche Aufstockung der Mittel entscheiden. Abgeordnete des Deutschen Bundestages signalisierten bereits Bereitschaft, das Programm bei positivem Verlauf auf weitere Regionen auszuweiten.

Ungeklärt bleibt bisher die Frage, wie die Initiative auf plötzliche politische Umbrüche in Partnerländern reagieren wird. Das Ministerium arbeitet an Krisenprotokollen, die eine Fortführung der Arbeit unter veränderten Bedingungen ermöglichen sollen. Beobachter erwarten, dass die Flexibilität der Fördermittelvergabe in den nächsten Monaten ein entscheidendes Kriterium für den Erfolg der Strategie sein wird.

TK

Tobias Koch

Mit faktenbasierter Arbeitsweise liefert Tobias Koch Beiträge, die Leserinnen und Lesern Orientierung im Nachrichtengeschehen geben.