hegewald & peschke meß und prüftechnik gmbh

hegewald & peschke meß und prüftechnik gmbh

Das sächsische Maschinenbauunternehmen Hegewald & Peschke Meß und Prüftechnik GmbH hat am Standort Nossen eine Erweiterung seiner Produktions- und Entwicklungskapazitäten für mechanische Prüfsysteme abgeschlossen. Die Maßnahme erfolgte als Reaktion auf die steigende Nachfrage nach spezialisierten Prüfmaschinen in der Automobilindustrie und der Luftfahrtsektor. Laut einer Pressemitteilung der Geschäftsführung investierte der Betrieb eine Summe im siebenstelligen Bereich in neue Montagehallen und modernisierte Büroflächen.

Die Erweiterung umfasst eine Fläche von rund 1000 Quadratmetern, die primär für die Endmontage von Großprüfmaschinen vorgesehen ist. Geschäftsführer Jan Hegewald erklärte, dass die bisherigen Räumlichkeiten aufgrund der zunehmenden Größe der kundenspezifischen Anlagen an ihre Kapazitätsgrenzen gestoßen waren. Der Ausbau sichert die Abwicklung von Aufträgen für internationale Kunden, die hochpräzise Belastungstests für Verbundwerkstoffe und Metalllegierungen benötigen.

Das Unternehmen beschäftigt derzeit rund 50 Mitarbeiter am Stammsitz in Sachsen. Mit der räumlichen Vergrößerung plant die Firmenleitung eine moderate Aufstockung des Personals im Bereich der Softwareentwicklung und Konstruktion. Die regionale Wirtschaftsförderung Sachsen stuft das Vorhaben als wichtigen Beitrag zur Stärkung des Maschinenbaustandorts im Raum Meißen ein.

Technologische Ausrichtung der Hegewald & Peschke Meß und Prüftechnik GmbH

Der Fokus der technischen Entwicklung liegt auf der Integration von digitaler Messtechnik in klassische mechanische Prüfstände. Die Ingenieure konzipieren Systeme, die statische und dynamische Lasten simulieren können, um die Materialermüdung unter Extrembedingungen zu untersuchen. Laut dem Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS steigen die Anforderungen an die Datenpräzision in der Materialprüfung durch den Einsatz neuer Leichtbaustoffe kontinuierlich an.

Die im Werk gefertigten Universalprüfmaschinen decken einen Kraftbereich von wenigen Newton bis zu mehreren hundert Kilonewton ab. Dabei kommen eigene Softwarelösungen zum Einsatz, die eine automatisierte Auswertung der Messergebnisse nach internationalen Normen wie DIN EN ISO oder ASTM ermöglichen. Die technologische Basis bildet die modulare Bauweise der Anlagen, wodurch Kunden spezifische Komponenten für Sonderprüfungen ergänzen können.

Standardisierung und Kalibrierung

Ein wesentlicher Bestandteil des Leistungsportfolios ist das hauseigene Kalibrierlaboratorium, das von der Deutschen Akkreditierungsstelle (DAkkS) überwacht wird. Diese Zertifizierung erlaubt es dem Betrieb, rechtsverbindliche Kalibrierungen für Kraft, Länge und Härte durchzuführen. Technischer Leiter Volker Peschke betonte in einem Fachvortrag, dass die Rückführbarkeit der Messergebnisse auf nationale Normale eine Grundvoraussetzung für die Qualitätssicherung in globalen Lieferketten darstellt.

Die Laborumgebung wurde im Zuge der Baumaßnahmen klimatisch optimiert, um thermische Einflüsse auf die hochempfindliche Sensorik zu minimieren. Dies ist besonders bei der Kalibrierung von Referenzkraftaufnehmern relevant, die als Transfernormale für andere Prüfeinrichtungen dienen. Der Dienstleistungssektor macht inzwischen einen signifikanten Teil des jährlichen Gesamtumsatzes aus.

Marktposition im internationalen Wettbewerb

Im Vergleich zu globalen Konzernen der Prüftechnikbranche positioniert sich das mittelständische Unternehmen über maßgeschneiderte Lösungen und kurze Entscheidungswege. Marktbeobachter von Statista verweisen auf einen stabilen Wachstumsmarkt für Materialprüfungssoftware, der durch die Mobilitätswende zusätzliche Impulse erhält. Die sächsischen Konstrukteure konkurrieren dabei primär mit Anbietern aus Süddeutschland und den Vereinigten Staaten.

Der Exportanteil der gefertigten Anlagen liegt laut Unternehmensangaben bei über 40 Prozent. Zu den wichtigsten Absatzmärkten außerhalb Deutschlands zählen die Europäische Union, China und die USA. Die Handelsbeziehungen werden über ein Netzwerk von Vertriebspartnern koordiniert, die auch die Wartung der Maschinen vor Ort übernehmen.

Trotz der positiven Auftragslage steht der Betrieb vor Herausforderungen durch instabile Lieferketten bei elektronischen Bauteilen. Die Beschaffung spezieller Steuerungskomponenten führte in der Vergangenheit vereinzelt zu Verzögerungen in der Auslieferung komplexer Anlagen. Um diese Risiken zu minimieren, erhöhte die Einkaufsabteilung die Lagerbestände für kritische Halbleiterprodukte und diversifizierte die Liste der Zulieferbetriebe.

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Historische Entwicklung und regionale Verankerung

Die Gründung des Betriebs erfolgte im Jahr 1990 durch Jan Hegewald und Volker Peschke. In den ersten Jahren nach der Wiedervereinigung konzentrierte sich das Team auf den Service und die Modernisierung bestehender Prüfmaschinen in den neuen Bundesländern. Der Übergang zur Eigenproduktion von Universalprüfmaschinen markierte die Transformation hin zu einem produzierenden Unternehmen.

Der Standort Nossen bietet durch die unmittelbare Nähe zum Autobahndreieck Nossen eine logistisch vorteilhafte Anbindung an die Zentren Dresden, Leipzig und Chemnitz. Diese Lage begünstigt die Gewinnung von Fachkräften aus dem gesamten Bundesland Sachsen. Viele der heutigen Führungskräfte absolvierten ihr Studium an der Technischen Universität Dresden, mit der das Unternehmen projektbezogen kooperiert.

Die regionale Bindung drückt sich auch in der Zusammenarbeit mit lokalen Fertigungsbetrieben aus. Ein Großteil der mechanischen Komponenten wie Rahmen und Gehäuse wird von Zulieferern aus dem Umkreis bezogen. Dies reduziert die Transportwege und unterstützt die wirtschaftliche Stabilität des Landkreises Meißen.

Nachhaltigkeit und Effizienz in der Fertigung

Im Rahmen der Standorterweiterung implementierte Hegewald & Peschke Meß und Prüftechnik GmbH ein neues Energiekonzept für die Produktionsstätten. Auf den Dächern der neuen Montagehallen installierte Fachfirmen Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von über 150 Kilowattpeak, um den Eigenbedarf an Strom teilweise zu decken. Eine moderne Wärmepumpentechnik ersetzt zudem veraltete Heizungssysteme in den Bestandsgebäuden.

Die Energieeffizienz der Prüfmaschinen selbst rückt ebenfalls stärker in den Fokus der Kundenanfragen. Durch den Einsatz von regenerativen Antrieben kann die beim Bremsen der Prüfachsen freiwerdende Energie in das Stromnetz zurückgespeist werden. Dies ist insbesondere bei Dauerlaufprüfständen relevant, die über mehrere Wochen im Schichtbetrieb laufen.

Die Reduktion des Materialverbrauchs wird durch computergestützte Simulationen im Konstruktionsprozess erreicht. Anstatt massiver Stahlkonstruktionen kommen topologieoptimierte Bauteile zum Einsatz, die bei gleicher Steifigkeit ein geringeres Gewicht aufweisen. Dies spart Ressourcen während der Herstellung und senkt die Energiekosten beim Transport zum Endkunden.

Ausblick auf zukünftige Entwicklungsfelder

Die Branche der Werkstoffprüfung steht vor einer Transformation durch künstliche Intelligenz und bildverarbeitende Systeme. Forscher untersuchen derzeit, wie optische Sensoren die klassische Dehnungsmessung ergänzen oder teilweise ersetzen können. Das Ziel besteht darin, Oberflächenveränderungen während der Belastung in Echtzeit zu kartieren, ohne die Probe physisch zu berühren.

In den kommenden Monaten liegt das Augenmerk der Geschäftsführung auf der vollständigen Inbetriebnahme der neuen Fertigungslinien. Erste Großprojekte für Kunden aus dem Sektor der erneuerbaren Energien sind bereits für das nächste Quartal fest eingeplant. Es bleibt abzuwarten, wie sich die globale Rohstoffknappheit auf die Preisgestaltung für Spezialstahl und Präzisionsführungen auswirken wird.

Die technologische Roadmap sieht vor, die Cloud-Anbindung der Prüfsysteme weiter auszubauen. Dies soll es Kunden ermöglichen, Testergebnisse standortübergreifend zu vergleichen und Wartungsintervalle prädiktiv zu planen. Die Resonanz auf der nächsten Branchenleitmesse wird zeigen, ob diese digitalen Zusatzleistungen die Marktanteile in den Schwellenländern signifikant steigern können.

TK

Tobias Koch

Mit faktenbasierter Arbeitsweise liefert Tobias Koch Beiträge, die Leserinnen und Lesern Orientierung im Nachrichtengeschehen geben.