marion and prince edward islands

marion and prince edward islands

Die südafrikanische Regierung leitet eine umfassende ökologische Sanierung der subantarktischen Marion and Prince Edward Islands ein, um die dort heimischen Seevogelpopulationen vor invasiven Raubtieren zu schützen. Das südafrikanische Ministerium für Forstwirtschaft, Fischerei und Umwelt (DFFE) bestätigte in einer offiziellen Erklärung, dass die Vorbereitungen für den Einsatz von Hubschraubern zur großflächigen Verteilung von Ködern auf dem Archipel weit fortgeschritten sind. Ziel dieses Projekts ist die vollständige Eliminierung von Hausmäusen, die im 19. Jahrhundert durch Robbenfänger und Walfänger eingeschleppt wurden und heute das empfindliche Ökosystem der Inseln bedrohen.

Wissenschaftler der Naturschutzorganisation BirdLife South Africa dokumentierten in den letzten Jahren eine besorgniserregende Zunahme von Angriffen der Mäuse auf Küken seltener Albatrosarten und Sturmvögel. Laut Dr. Anton Wolfaardt, dem Projektleiter der Initiative, gefährdet die Ausbreitung der Nagetiere die globale Population des Wanderalbatros, da fast die Hälfte dieser Vögel auf den betroffenen Inseln brütet. Die Umsetzung der Maßnahme ist für den südlichen Winter geplant, wenn die Mäuse aufgrund geringeren Nahrungsangebots am ehesten die ausgelegten Giftköder annehmen.

Ökologische Bedeutung der Marion and Prince Edward Islands

Die isolierte Lage der Inselgruppe im Südpolarmeer macht sie zu einem kritischen Brutgebiet für Millionen von Seevögeln und mehrere Robbenarten. Das DFFE betont in seinen Unterlagen zur Management-Strategie für Schutzgebiete, dass die Region aufgrund ihrer hohen Biodiversität bereits im Jahr 2013 zum marinen Schutzgebiet erklärt wurde. Die topografische Beschaffenheit der Inseln erschwert jedoch den direkten Zugang für Forscher und Ranger, was den Einsatz technischer Hilfsmittel bei der Schädlingsbekämpfung unumgänglich macht.

Experten des South African National Antarctic Programme (SANAP) wiesen darauf hin, dass die Inseln als wichtige Indikatoren für den globalen Klimawandel dienen. Die steigenden Durchschnittstemperaturen in der Subantarktis begünstigen die Vermehrung der Mäuse, da die Winter milder ausfallen und die Sterblichkeitsrate der Nagetiere sinkt. Dies führte laut Daten des FitzPatrick Institute of African Ornithology zu einer massiven Überpopulation, die das natürliche Gleichgewicht der wirbellosen Fauna und der Flora auf den Inseln zerstört.

Technische Umsetzung und logistische Herausforderungen

Der Plan sieht vor, vier speziell ausgerüstete Hubschrauber von einem Eisbrecher aus einzusetzen, um eine Fläche von etwa 30.000 Hektar lückenlos abzudecken. Diese Methode wurde bereits erfolgreich auf der britischen Insel Südgeorgien angewendet, wo die Ausrottung von Ratten und Mäusen im Jahr 2018 offiziell als erfolgreich abgeschlossen erklärt wurde. Das südafrikanische Projekt muss jedoch mit den extremen Wetterbedingungen im sogenannten „Roaring Forties"-Gürtel kämpfen, die nur kurze Zeitfenster für präzise Flugmanöver zulassen.

Logistikexperten der südafrikanischen Marine koordinieren den Transport von Hunderten Tonnen Spezialködern, die gegen Feuchtigkeit resistent sind und keine Gefahr für die Vögel selbst darstellen sollen. Die Kosten für die gesamte Operation werden auf über 20 Millionen Euro geschätzt, wobei ein erheblicher Teil durch private Spenden und internationale Naturschutzfonds gedeckt wird. Die Royal Society for the Protection of Birds (RSPB) unterstützt das Vorhaben technisch und finanziell, da der Erfolg der Mission als Modell für ähnliche Inseln weltweit gilt.

Kritik und potenzielle Risiken des Projekts

Trotz der breiten Unterstützung durch wissenschaftliche Kreise gibt es Bedenken hinsichtlich der unbeabsichtigten Folgen der Giftverteilung. Kritiker weisen darauf hin, dass Raubmöwen oder andere aasfressende Vögel sterbende Mäuse fressen und somit sekundäre Vergiftungen erleiden könnten. Das Projektteam entgegnete diesen Vorwürfen mit dem Hinweis auf umfangreiche Vorstudien, die das Risiko für Nicht-Zielarten als vertretbar gering im Vergleich zum drohenden Aussterben der Albatrosse einstufen.

Ein weiteres Hindernis stellt die politische Finanzierung in Südafrika dar, da das Land mit erheblichen wirtschaftlichen Herausforderungen konfrontiert ist. Oppositionsparteien hinterfragten die hohen Ausgaben für ein Projekt in einem unbewohnten Territorium, während soziale Programme auf dem Festland gekürzt werden. Die Regierung verteidigt die Investition jedoch mit internationalen Verpflichtungen zum Artenschutz und dem langfristigen Nutzen für die Meeresforschung, die auf den Inseln eine wichtige Basis hat.

Wissenschaftlicher Kontext der Subantarktis

Die wissenschaftliche Station auf der größeren der beiden Inseln wird ganzjährig von Meteorologen und Biologen betrieben, die Daten für globale Wettermodelle liefern. Die South African Weather Service (SAWS) betont, dass die Station Marion Island eine der wenigen verlässlichen Quellen für atmosphärische Messungen in diesem Sektor des Ozeans darstellt. Die Anwesenheit der Mäuse beeinträchtigt auch die Infrastruktur der Station, da die Nagetiere Kabel isolierungen beschädigen und Vorratslager infiltrieren.

Historische Aufzeichnungen zeigen, dass die Einführung fremder Arten auf isolierten Archipelen fast immer katastrophale Folgen für die lokale Fauna hatte. Die Internationale Union zur Bewahrung der Natur (IUCN) listet invasive Arten als eine der Hauptursachen für den Verlust an biologischer Vielfalt auf ozeanischen Inseln. Auf den Inseln im Südpolarmeer ist dieser Prozess besonders ausgeprägt, da die heimischen Arten über Jahrtausende ohne landgebundene Fressfeinde evolvierten und keine Abwehrmechanismen besitzen.

Vergleichbare Maßnahmen im internationalen Rahmen

Ähnliche Programme wurden in den letzten Jahrzehnten auf der Macquarieinsel durch Australien und auf den Campbell-Inseln durch Neuseeland durchgeführt. Die Ergebnisse dieser Maßnahmen zeigten eine schnelle Erholung der Vegetation und eine signifikante Zunahme der Bruterfolge bei Seevögeln innerhalb weniger Jahre. Diese Erfolge dienen als wissenschaftliche Grundlage für das aktuelle südafrikanische Vorhaben, das in seinem Umfang und seiner Komplexität eine neue Dimension erreicht.

Die Kooperation zwischen staatlichen Stellen und Nichtregierungsorganisationen wird als entscheidender Faktor für die Realisierung angesehen. Das Projekt „Mouse-Free Marion" ist eine Partnerschaft, die zeigt, wie nationale Souveränität und globaler Naturschutz ineinandergreifen können. Forscher der Universität Kapstadt führen begleitende Studien durch, um die Regeneration des Ökosystems nach dem Verschwinden der Mäuse präzise zu dokumentieren und die Wirksamkeit der Maßnahmen zu evaluieren.

Zukünftige Entwicklungen und Erfolgskontrolle

Nach dem Abschluss der aktiven Phase der Köderverteilung wird eine zweijährige Beobachtungszeit folgen, bevor das Gebiet offiziell als nagetierfrei deklariert werden kann. In dieser Phase werden automatisierte Kamerasysteme und DNA-Analysen von Bodenproben eingesetzt, um etwaige Überlebende aufzuspüren. Sollte die Mission scheitern, müsste das gesamte Verfahren von vorne begonnen werden, da verbleibende Mäusepopulationen aufgrund ihrer hohen Reproduktionsrate die Inseln innerhalb kürzester Zeit erneut besiedeln würden.

Die langfristige Sicherung des Gebiets erfordert zudem strengere Biosicherheitsmaßnahmen für alle Versorgungsschiffe und Forschungsteams, die den Archipel anlaufen. Das DFFE plant die Einführung neuer Protokolle für die Reinigung von Ausrüstung und den Transport von Lebensmitteln, um eine erneute Einschleppung von Schädlingen dauerhaft zu verhindern. Die internationale Gemeinschaft beobachtet den Fortschritt genau, da der Ausgang dieses Projekts die Strategien für den Schutz subantarktischer Regionen für das nächste Jahrzehnt maßgeblich beeinflussen wird.

HH

Hannah Hartmann

Mit faktenbasierter Arbeitsweise liefert Hannah Hartmann Beiträge, die Leserinnen und Lesern Orientierung im Nachrichtengeschehen geben.