Der Spielfilm des Regisseurs Martin Scorsese hat nach seinem Kinostart und der anschließenden Veröffentlichung auf Streaming-Plattformen eine weitreichende Debatte über die Darstellung indigener Geschichte ausgelöst. Erste Rezensionen für Killers of the Flower Moon hoben die schauspielerische Leistung von Lily Gladstone hervor, die für ihre Rolle der Mollie Burkhart als erste indigene Amerikanerin einen Golden Globe als beste Hauptdarstellerin gewann. Apple Original Films gab bekannt, dass die Produktion mit einem Budget von rund 200 Millionen US-Dollar eines der bisher ambitioniertesten Projekte des Unternehmens darstellt.
Das Werk basiert auf dem gleichnamigen Sachbuch von David Grann und behandelt die Mordserie an Mitgliedern der Osage Nation im Oklahoma der 1920er Jahre. Laut Daten von Comscore spielte der Film am Eröffnungswochenende weltweit über 44 Millionen US-Dollar ein. Diese Zahlen belegen das anhaltende Interesse des Publikums an historischen Dramen mit Überlänge, da die Laufzeit des Films 206 Minuten beträgt.
Kritische Rezeption und Rezensionen für Killers of the Flower Moon
Die internationale Fachpresse reagierte überwiegend positiv auf die visuelle Gestaltung und die historische Genauigkeit des Sets. Das National Board of Review kürte das Werk zum besten Film des Jahres 2023, während die American Film Institute Awards ihn in die Liste der zehn herausragendsten Filme aufnahmen. Kritiker lobten insbesondere die Entscheidung von Scorsese, das Drehbuch gemeinsam mit Eric Roth so umzuschreiben, dass die Perspektive der Osage stärker in den Mittelpunkt rückte.
Trotz des Lobes gab es kritische Stimmen aus der indigenen Gemeinschaft hinsichtlich der Darstellung von Gewalt. Devery Jacobs, eine bekannte indigene Schauspielerin und Filmemacherin, kritisierte über soziale Medien die grafische Darstellung des Leids der Osage-Frauen. Sie bezeichnete die Seherfahrung als schmerzhaft und stellte infrage, ob die Perspektive der Täter im Film nicht doch zu viel Raum einnehme.
Technische Aspekte der Produktion
Kameramann Rodrigo Prieto nutzte für die Aufnahmen verschiedene Filmformate, um die zeitliche Entwicklung der Handlung visuell zu unterstützen. Er erklärte in einem Interview mit dem American Cinematographer Magazine, dass er spezifische Farberscheinungen der frühen Autochrom-Fotografie emulierte. Diese technischen Details trugen laut technischen Berichten maßgeblich zur Atmosphäre des Films bei.
Der verstorbene Musiker Robbie Robertson komponierte den Soundtrack, der traditionelle Osage-Musik mit Blues-Elementen verbindet. Es war seine letzte Zusammenarbeit mit Scorsese vor seinem Tod im August 2023. Die Musik erhielt eine posthume Nominierung für den Oscar, was die Bedeutung seiner Arbeit für das Gesamtwerk unterstreicht.
Wirtschaftliche Bedeutung für Apple TV Plus
Für den Technologiekonzern Apple markiert der Film einen strategischen Wendepunkt in der Content-Strategie. Das Unternehmen verfolgt das Ziel, durch prestigeträchtige Filmprojekte die Abonnentenzahlen seines Streaming-Dienstes zu steigern. Tim Cook, CEO von Apple, betonte in einem Earnings Call, dass Auszeichnungen und mediale Aufmerksamkeit die Markenloyalität langfristig festigen.
Analysten von Nielsen stellten fest, dass die Veröffentlichung auf der Plattform zu einem signifikanten Anstieg der Nutzungsdauer führte. Da der Film zunächst exklusiv im Kino lief, profitierte Apple von zwei Verwertungsfenstern. Dieses hybride Modell wird in der Branche zunehmend als Standard für Großproduktionen angesehen, um die hohen Produktionskosten zu amortisieren.
Vergleich mit anderen Monumentalfilmen
Im Vergleich zu Scorseses vorherigem Werk, The Irishman, zeigt dieser Film eine stärkere Orientierung an klassischen Western-Elementen. Während The Irishman primär für Netflix produziert wurde, suchte Apple für dieses Projekt die Kooperation mit Paramount Pictures für den Kinovertrieb. Diese Partnerschaft ermöglichte eine breite globale Präsenz in über 3.000 Kinos allein in Nordamerika.
Die Marketingausgaben für das Projekt wurden von Branchenkennern auf zusätzlich 100 Millionen US-Dollar geschätzt. Dieser Aufwand war notwendig, um das komplexe Thema einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Die Strategie scheint aufgegangen zu sein, da der Film in den sozialen Medien über Wochen hinweg ein zentrales Gesprächsthema blieb.
Die Beteiligung der Osage Nation
Geoffrey Standing Bear, der Principal Chief der Osage Nation, fungierte als Berater während der gesamten Dreharbeiten. Er stellte sicher, dass die Sprache, die Kleidung und die Bräuche korrekt dargestellt wurden. In einer offiziellen Erklärung der Osage Nation hieß es, dass die Produktion Hunderte von Arbeitsplätzen für Stammesmitglieder schuf und die lokale Wirtschaft in Oklahoma stärkte.
Einige Stammesmitglieder äußerten jedoch Bedenken über die langfristigen Auswirkungen des Filmtourismus. Sie befürchten, dass die heiligen Stätten und privaten Wohngebiete der Osage durch Schaulustige gestört werden könnten. Die Verwaltung des Stammes hat daraufhin Maßnahmen ergriffen, um den Besucherverkehr in bestimmten Regionen zu regulieren.
Historische Aufarbeitung der Ereignisse
Das Federal Bureau of Investigation (FBI) nutzt den Fall der Osage-Morde bis heute in seiner historischen Ausbildung. J. Edgar Hoover nutzte die Ermittlungen damals, um die Macht und den Ruf der Behörde auszubauen. Das Buch von David Grann legte jedoch offen, dass die Korruption viel tiefer reichte, als das FBI ursprünglich zugab.
Viele der Morde wurden nie vollständig aufgeklärt, da die örtlichen Behörden oft mit den Tätern unter einer Decke steckten. Historiker der University of Oklahoma wiesen darauf hin, dass die tatsächliche Zahl der Opfer wahrscheinlich weit über den offiziell dokumentierten Fällen liegt. Der Film hat dazu beigetragen, dieses dunkle Kapitel der amerikanischen Geschichte wieder in das öffentliche Bewusstsein zu rücken.
Die Rolle der Rezensionen für Killers of the Flower Moon im Preisrennen
In der Phase der Filmpreise spielten die gesammelten Rezensionen für Killers of the Flower Moon eine wesentliche Rolle für die Positionierung bei den Academy Awards. Das Studio investierte massiv in "For Your Consideration"-Kampagnen, um die Aufmerksamkeit der Wahlberechtigten zu gewinnen. Lily Gladstones Kampagne konzentrierte sich dabei stark auf die historische Bedeutung ihres potenziellen Sieges.
Obwohl der Film bei den Oscars 2024 leer ausging, blieb der kritische Konsens stabil. Die Rotten Tomatoes Bewertung liegt bei 93 Prozent positiver Kritiken, was ihn zu einem der am besten bewerteten Filme des Jahrzehnts macht. Diese Beständigkeit in der Bewertung ist ein Indikator für den Status als moderner Klassiker.
Kulturelle Auswirkungen in Deutschland
In Deutschland stieß der Film ebenfalls auf großes Interesse bei Kinogängern und Kritikern gleichermaßen. Das Magazin Der Spiegel beschrieb das Werk als eine Dekonstruktion des amerikanischen Gründungsmythos. Die Besucherzahlen in den deutschen Kinos überschritten bereits in den ersten Wochen die Marke von 500.000 Zuschauern.
Deutsche Historiker nutzten den Kinostart, um Parallelen zu kolonialen Verbrechen in anderen Teilen der Welt zu ziehen. Diskussionsrunden in Berlin und München beleuchteten die Verantwortung von Filmemachern bei der Aufarbeitung traumatischer Ereignisse. Die Rezeption in Europa unterscheidet sich dabei oft durch einen stärkeren Fokus auf die strukturellen Ursachen von Rassismus und Gier.
Zukünftige Entwicklungen im Genre
Die Filmbranche beobachtet nun genau, ob andere Studios ähnliche Investitionen in historische Epen tätigen werden. Sony Pictures und Warner Bros. haben bereits Projekte angekündigt, die sich ebenfalls mit vergessenen Episoden der amerikanischen Geschichte befassen. Der Erfolg von Scorseses Projekt hat bewiesen, dass ein Massenpublikum bereit ist, sich mit schwierigen moralischen Themen über einen langen Zeitraum auseinanderzusetzen.
In den kommenden Monaten wird die Forschung zur Osage-Geschichte voraussichtlich neue Erkenntnisse liefern, da durch den Film vermehrt private Archive geöffnet wurden. Die Nachkommen der Opfer fordern weiterhin Entschädigungen und eine offizielle Anerkennung aller Verbrechen durch die US-Regierung. Es bleibt abzuwarten, ob der mediale Einfluss des Films zu konkreten politischen Gesetzesänderungen beim Schutz indigener Landrechte führen wird.