Die Deutsche Film AG (DEFA) schloss die Dreharbeiten für die Märchenverfilmung Sechse Kommen Durch Die Welt 1972 Drehort und Studioarbeiten erfolgreich ab und brachte das Werk in die Kinos der DDR. Unter der Regie von Rainer Simon entstand eine Adaption des gleichnamigen Märchens der Brüder Grimm, die sich durch eine deutliche sozialkritische Note von früheren Produktionen abhob. Der Film startete am 23. Juni 1972 in den Lichtspielhäusern und erreichte laut den Statistiken der DEFA-Stiftung ein Millionenpublikum innerhalb der ersten Monate nach der Premiere.
Der Stab wählte für die Außenaufnahmen verschiedene historische Schauplätze in der damaligen DDR aus, um die Atmosphäre einer fiktiven spätfeudalistischen Ära zu erzeugen. Die Produktion nutzte die architektonische Kulisse von Quedlinburg im Harz, um das Stadtbild des Märchenreichs darzustellen. Laut Unterlagen des Bundesarchivs bildeten diese realen Schauplätze den visuellen Gegenpol zu den phantastischen Elementen der Handlung.
Historischer Hintergrund und Sechse Kommen Durch Die Welt 1972 Drehort
Die Wahl der Schauplätze war für die ästhetische Wirkung des Films von zentraler Bedeutung. In Quedlinburg konzentrierten sich die Kameras auf die gut erhaltene Fachwerkarchitektur, die laut dem Filmdienst die Armut der Bevölkerung im Gegensatz zum Reichtum des Hofes verdeutlichen sollte. Das Bundesarchiv bewahrt in seinen Beständen Produktionsnotizen auf, die den logistischen Aufwand für die Absperrung der Marktplätze während der Sommermonate 1971 dokumentieren.
Neben den Straßen Quedlinburgs diente das Schloss Wernigerode als Kulisse für die Szenen am Königshof. Die massiven Mauern und die neugotische Architektur des Schlosses boten den Rahmen für die Darstellung der Arroganz des Adels, ein zentrales Motiv in Simons Inszenierung. Experten für DDR-Kinogeschichte weisen darauf hin, dass die Wahl dieser Orte nicht nur ästhetische, sondern auch praktische Gründe hatte, da die Infrastruktur für Filmteams im Harz bereits durch frühere Produktionen etabliert war.
Besetzung und künstlerische Leitung
Die Hauptrolle des Soldaten, der um seinen verdienten Lohn betrogen wird, übernahm der Schauspieler Jiri Menzel. Menzel war dem Publikum bereits als Regisseur des oscarprämierten Films Scharf beobachtete Züge bekannt. Die Verpflichtung eines tschechoslowakischen Künstlers für die Hauptrolle entsprach der damaligen Praxis der Koproduktionen und des kulturellen Austausches innerhalb des Ostblocks.
In weiteren Rollen waren namhafte Darsteller wie Günter Schubert und Friedo Solter zu sehen. Das Kostümbild von Emil Hasler trug wesentlich zur Charakterisierung der sechs Gefährten bei, die jeweils über übernatürliche Fähigkeiten verfügten. Die Kostüme wurden in den Werkstätten des Studio Babelsberg angefertigt und orientierten sich an historischen Vorlagen, erhielten jedoch durch bewusste Überzeichnungen einen modernen Akzent.
Musikalische Untermalung und visuelle Effekte
Die Musik für den Film komponierte Peter Rabenalt. Die Partitur verzichtete auf klassische Märchenklänge und setzte stattdessen auf rhythmische Elemente, die den marschartigen Charakter des Vorhabens der Protagonisten unterstützten. Rabenalt erklärte später in Interviews, dass die Musik die Rebellion gegen die ungerechte Obrigkeit akustisch untermauern sollte.
Die visuellen Spezialeffekte, insbesondere für die Figuren mit Superkräften wie den Läufer oder den Scharfschützen, entstanden unter den technischen Möglichkeiten der frühen siebziger Jahre. Das Team arbeitete mit Kameratricktechniken wie Zeitraffer und Mehrfachbelichtungen. Diese Verfahren wurden direkt am Sechse Kommen Durch Die Welt 1972 Drehort oder in den Postproduktionsstudios der DEFA in Potsdam realisiert.
Kritische Rezeption und staatliche Einordnung
Trotz des Publikumserfolgs gab es innerhalb der staatlichen Filmabnahme Diskussionen über die politische Ausrichtung des Werks. Rainer Simon integrierte satirische Spitzen gegen Bürokratie und Willkür, die von manchen Funktionären als Kritik am aktuellen System interpretiert werden konnten. Die staatliche Filmzulassungsstelle der DDR gab den Film dennoch ohne größere Schnitte frei, da die Einbettung in das Genre des Volksmärchens einen Schutzraum bot.
Kritiker der westdeutschen Presse lobten nach der Ausstrahlung im Fernsehen die handwerkliche Qualität der Produktion. Der Spiegel befasste sich in späteren Rückblicken mit der Qualität der DEFA-Märchenfilme und hob die Detailverliebtheit der Szenenbilder hervor. Die Kombination aus historischer Authentizität und parabelhafter Erzählweise galt als Alleinstellungsmerkmal dieser Ära.
Technische Details und Restaurierung
Der Film wurde auf 35-mm-Material gedreht und hatte eine Originallaufzeit von 91 Minuten. Für die Tonaufnahme kam das damals übliche Lichttonverfahren zum Einsatz. In den vergangenen Jahren wurde das Filmmaterial einer digitalen Restaurierung unterzogen, um die Farben und den Kontrast der ursprünglichen Aufnahmen für moderne Heimkinoformate zu erhalten.
Die DEFA-Stiftung beauftragte Spezialisten mit der Bearbeitung der Originalnegative. Dabei wurden Verschmutzungen und Kratzer entfernt, die über die Jahrzehnte durch die mechanische Beanspruchung der Filmrollen entstanden waren. Diese digitalisierte Fassung bildet heute die Grundlage für Ausstrahlungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk und für DVD-Veröffentlichungen.
Bedeutung für das heutige Kulturerbe
Die Drehorte in Sachsen-Anhalt ziehen noch immer Touristen und Filmbegeisterte an. Stadtführungen in Quedlinburg thematisieren regelmäßig die Nutzung der Altstadt als Filmkulisse für diverse historische Produktionen. Das Schloss Wernigerode nutzt seine Filmgeschichte ebenfalls für Marketingzwecke und Ausstellungen.
Wissenschaftliche Analysen zur Filmgeschichte der DDR untersuchen das Werk oft im Kontext der sogenannten Zweiten Generation von DEFA-Regisseuren. Diese Filmemacher versuchten, die starren Konventionen der frühen Jahre aufzubrechen. Die Verfilmung von 1972 gilt hierbei als ein wichtiges Bindeglied zwischen traditioneller Märchenerzählung und modernem Autorenkino.
In naher Zukunft plant die DEFA-Stiftung weitere Veröffentlichungen von Hintergrunddokumenten zur Entstehungsgeschichte ihrer Klassiker. Es bleibt abzuwarten, ob unveröffentlichtes Bildmaterial von den Dreharbeiten in den Archiven gefunden wird, das neue Einblicke in die Arbeit des Ensembles gewährt. Die Forschung zur Rezeptionsgeschichte in Osteuropa steht ebenfalls noch am Anfang.