song somewhere over the rainbow what a wonderful world

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In der winzigen Aufnahmekabine der Audio Resource Group in Honolulu war es bereits nach Mitternacht, als das Telefon klingelte. Es war das Jahr 1988, und am anderen Ende der Leitung suchte ein Mann nach einem Ort, um eine Idee festzuhalten, die ihn nicht schlafen ließ. Milan Bertosa, der Toningenieur, wollte eigentlich Feierabend machen, doch die Stimme am Telefon war so sanft, so dringlich, dass er nachgab. Wenig später stand ein Mann im Studio, der den Raum nicht nur physisch ausfüllte, sondern ihn mit einer Aura von tiefer Melancholie und gleichzeitigem Frieden einnahm. Israel Kamakawiwoʻole, von seinen Freunden Iz genannt, wog zu diesem Zeitpunkt weit über zweihundert Kilogramm, und das Atmen fiel ihm sichtlich schwer. Er setzte sich auf einen verstärkten Stahlstuhl, umklammerte seine winzige Ukulele, die in seinen gewaltigen Händen fast wie ein Spielzeug wirkte, und bat Bertosa, einfach das Band laufen zu lassen. Ohne Notenblätter, ohne Proben und in einem einzigen, ungeschönten Take sang er jenes Medley, das heute als Song Somewhere Over The Rainbow What A Wonderful World die Welt umspannt. In diesem Moment, in der Stille einer hawaiianischen Nacht, entstand etwas, das weit über die Grenzen eines einfachen Covers hinausging.

Was in dieser Nacht geschah, war die Verschmelzung zweier Hymnen der Hoffnung, die aus völlig unterschiedlichen Epochen stammten. Die erste Hälfte, das Lied über den Regenbogen, wurde ursprünglich für Judy Garland im Jahr 1939 geschrieben, als die Welt am Abgrund eines globalen Krieges stand. Es war ein Song der Sehnsucht nach einem Ort, an dem Sorgen wie Zitroneneis schmelzen. Die zweite Hälfte, die Louis Armstrongs unsterblichem Klassiker gewidmet ist, feiert die Schönheit des Alltäglichen, das Grün der Bäume und die roten Rosen, die für alle blühen. Iz nahm diese beiden monumentalen Werke und webte sie in einen Kokon aus pazifischer Sanftheit. Er veränderte die Akkorde, er vereinfachte die Struktur, und er sang mit einer Stimme, die klang, als käme sie direkt aus dem Herzen der Erde selbst. Es war kein technisches Meisterwerk im klassischen Sinne; man hört das Rascheln seiner Bewegungen, das Atmen, das kleine Zögern vor dem Griffwechsel. Doch gerade diese Unvollkommenheit verlieh dem Werk eine Authentizität, die Millionen von Menschen zu Tränen rühren sollte.

Die Reise einer vergessenen Aufnahme durch die Zeit

Jahre vergingen, in denen die Aufnahme fast in Vergessenheit geraten war. Sie existierte auf einem Masterband in Bertosas Archiv, ein privater Schatz, der erst 1993 auf dem Album Facing Future veröffentlicht wurde. Hawaii wusste längst um die Kraft dieses Mannes, der als Stimme der Inseln galt, als Verfechter der hawaiianischen Souveränität und als Symbol für ein kulturelles Erbe, das unter der Last des Tourismus und der Kolonialisierung zu ersticken drohte. Doch für den Rest der Welt war er ein Unbekannter. Erst Ende der Neunzigerjahre und zu Beginn des neuen Jahrtausends begann die Musik, ihren Weg über den Ozean zu finden. Sie tauchte in Werbespots auf, untermalte die traurigsten Szenen in Hollywood-Dramen und wurde schließlich zum Soundtrack für unzählige Beerdigungen und Hochzeiten gleichermaßen. Es ist ein seltenes Phänomen, dass ein Lied beide Extreme des menschlichen Lebens — den tiefsten Verlust und das höchste Glück — so vollkommen begleiten kann.

Die emotionale Resonanz dieser speziellen Version liegt in der Spannung zwischen der physischen Zerbrechlichkeit des Sängers und der unerschütterlichen Zuversicht seiner Botschaft. Wer Israel Kamakawiwoʻole singen hört, spürt die Schwere seines Körpers, die ihn schließlich im Alter von nur 38 Jahren das Leben kosten sollte. Als er 1997 starb, wurde sein Sarg in der Rotunde des Hawaii State Capitol aufgebahrt — eine Ehre, die zuvor nur zwei Staatsmännern zuteilgeworden war. Zehntausende Menschen säumten die Straßen, als seine Asche später in die Bucht von Mākaha gestreut wurde. Die Bilder dieses Tages zeigen eine Gemeinschaft in tiefer Trauer, aber auch in einer seltsamen Feierlichkeit. Die Menschen paddelten mit ihren Kanus hinaus aufs Meer, klatschten das Wasser rhythmisch und sangen. In diesem kollektiven Abschied manifestierte sich genau das Gefühl, das Song Somewhere Over The Rainbow What A Wonderful World vermittelt: dass der Tod nicht das Ende der Schönheit ist, sondern eine Rückkehr in den großen Rhythmus der Natur.

In Europa, insbesondere in Deutschland, kam der große Durchbruch der Aufnahme erst viel später, fast wie ein Echo aus einer fernen Vergangenheit. Im Jahr 2010, mehr als ein Jahrzehnt nach seinem Tod, kletterte das Lied plötzlich an die Spitze der Charts. Es war eine Zeit der wirtschaftlichen Unsicherheit und der digitalen Überflutung. Vielleicht sehnten sich die Menschen nach dieser radikalen Einfachheit, nach dem Klang von vier Nylonsaiten und einer Stimme, die nichts beweisen wollte. Es gab keine aufwendigen Synthesizer, keine Autotune-Korrekturen, keine Marketing-Maschinerie, die den Song in die Gehörgänge presste. Es war die pure Menschlichkeit, die durch die Lautsprecher drang. Musikwissenschaftler wie Dr. Volkmar Kramarz von der Universität Bonn haben oft über die psychologische Wirkung einfacher Harmonien geschrieben, aber bei diesem speziellen Medley versagt die rein theoretische Analyse. Die Wirkung entfaltet sich in dem Raum zwischen den Noten, in der Stille, die Iz entstehen lässt, bevor er das nächste Wort ansetzt.

Warum Song Somewhere Over The Rainbow What A Wonderful World uns immer noch heilt

Wenn man die Komposition heute betrachtet, erkennt man, dass sie eine Brücke schlägt zwischen der melancholischen Flucht aus der Realität und der bewussten Wertschätzung des Augenblicks. Der erste Teil des Medleys handelt davon, weg zu wollen — über den Regenbogen, in ein Land, von dem man in Schlafliedern hört. Es ist die Sehnsucht des Kindes, die Hoffnung auf eine bessere Welt, die irgendwo dort draußen existiert. Doch der zweite Teil holt den Hörer zurück ins Hier und Jetzt. Er sagt uns, dass diese bessere Welt bereits da ist, in den Gesichtern der Freunde, die sich die Hand schütteln, und im Blau des Himmels. Iz hat diese beiden gegensätzlichen Impulse miteinander versöhnt. Er flüchtet nicht vor der Realität, er heiligt sie. Für einen Mann, der wusste, dass seine Zeit aufgrund seiner Gesundheit begrenzt war, hatte das Singen über die Wunder der Welt eine besondere, fast schmerzhafte Tiefe.

Die kulturelle Last der Ukulele

Lange Zeit wurde die Ukulele im Westen als ein humoristisches Instrument wahrgenommen, als eine Art Gimmick für Strandpartys oder Varieté-Shows. Israel Kamakawiwoʻole hat dieses Bild im Alleingang zertrümmert. In seinen Händen wurde das kleine Instrument zu einem Medium für spirituelle Ernsthaftigkeit. Er nutzte die hawaiianische Tradition des Strumming, um einen Teppich zu weben, der so stabil war, dass er die gesamte Last der menschlichen Existenz tragen konnte. Es ist wichtig zu verstehen, dass für die Menschen auf Hawaii die Musik nie nur Unterhaltung war. Sie war Geschichte, Genealogie und Widerstand. Wenn Iz sang, dann sang er auch für sein Volk, für die verlorene Unabhängigkeit der Inseln und für die Würde einer Kultur, die oft auf Postkartenmotive reduziert wurde.

Die universelle Sprache des Trostes

In Krankenhäusern auf der ganzen Welt wird diese Aufnahme heute in der Palliativmedizin eingesetzt. Es gibt Berichte von Pflegekräften, die beschreiben, wie sich der Herzschlag von Patienten beruhigt, wenn die ersten sanften Zupfmuster der Ukulele einsetzen. Es ist, als würde die Frequenz der Aufnahme eine Resonanz im menschlichen Nervensystem finden, die jenseits des Verstandes liegt. Das ist die wahre Kraft eines Essay-würdigen Musikstücks: Es braucht keine Übersetzung. Ein Hörer in Berlin spürt dieselbe Wärme wie ein Fischer in Japan oder eine Mutter in Brasilien. Die Stimme von Iz ist frei von Aggression, frei von Ego. Sie ist ein Angebot, sich für vier Minuten sicher zu fühlen.

Diese Sicherheit ist es, die uns in Krisenzeiten immer wieder zu solchen Klängen greifen lässt. In einer Welt, die sich oft in Fragmente aufspaltet, in der Diskurse härter werden und die Zukunft ungewiss scheint, wirkt die Aufnahme wie ein akustischer Anker. Sie erinnert uns daran, dass die grundlegenden Elemente des Lebens — das Licht, die Liebe, die Natur — trotz allem Bestand haben. Es ist kein blinder Optimismus, den Iz hier vertritt. Es ist ein hart erkämpfter Friede. Wer seine Biografie kennt, weiß um die Kämpfe, die er gegen seine Sucht, sein Gewicht und die politische Ausgrenzung führte. Wenn er also singt, dass es eine wunderbare Welt ist, dann ist das kein billiges Klischee, sondern ein Akt des Vertrauens gegen alle Widerstände.

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Betrachtet man die Geschichte der Popmusik, so gibt es nur wenige Momente, in denen eine Coverversion das Original nicht nur ergänzt, sondern in seiner kulturellen Bedeutung fast überschattet. Während Judy Garlands Version für immer mit dem Filmzauber von Oz verbunden bleibt, hat die Interpretation von Iz eine eigene, fast religiöse Dimension erreicht. Sie wird bei Gedenkfeiern für Staatsmänner ebenso gespielt wie bei der ersten Wiege eines Neugeborenen. Diese Allgegenwart könnte das Lied theoretisch abnutzen, es zu einer Hintergrundberieselung verkommen lassen. Doch seltsamerweise geschieht das Gegenteil. Jedes Mal, wenn die Nadel metaphorisch auf die Rille setzt, scheint der Raum sich ein wenig zu weiten.

Man kann sich das Studio in Honolulu in jener Nacht vorstellen: Das dämmrige Licht, die staubige Luft, die sich bewegte, als Iz tief Luft holte. Bertosa erinnerte sich später daran, dass er nach dem Ende des Takes eine Gänsehaut am ganzen Körper hatte. Er wusste sofort, dass er Zeuge von etwas Außergewöhnlichem geworden war. Er hatte nicht einfach nur einen Song aufgenommen, sondern eine menschliche Seele in ihrer reinsten Form eingefangen. Es war eine Offenbarung, die keine Korrektur duldete. Die kleinen Fehler, das Atmen, das leichte Rutschen der Finger über die Saiten — all das blieb auf dem Band. Es war das Dokument eines Mannes, der Frieden mit seiner Endlichkeit geschlossen hatte.

Heute, Jahrzehnte nach jener nächtlichen Session, hat sich der Staub in dem Studio längst gelegt, und die Technologie der Musikproduktion hat sich radikal gewandelt. Wir leben in einer Ära der perfekten, glattpolierten Oberflächen, in der jeder Ton auf die Millisekunde genau gerückt werden kann. Und doch suchen wir immer noch nach dem Riss in der Mauer, durch den das Licht einfällt, wie Leonard Cohen es einst beschrieb. Die Stimme aus Hawaii ist dieser Riss. Sie erinnert uns daran, dass wir aus Fleisch und Blut sind, aus Sehnsucht und aus der Fähigkeit, Schönheit selbst in der Dunkelheit zu erkennen.

Wenn der letzte Akkord der Ukulele langsam ausklingt, bleibt eine Stille zurück, die sich anders anfühlt als die Stille davor. Es ist eine Stille, die gesättigt ist mit der Gewissheit, dass irgendwo, jenseits der Wolken und mitten unter uns, die Farben des Regenbogens immer noch leuchten. Man muss nur den Mut haben, die Augen zu schließen und hinzuhören. Die Welt ist vielleicht nicht perfekt, aber in diesen wenigen Minuten, getragen von der Stimme eines Mannes, der alles gab, was er war, ist sie tatsächlich genau das: wunderbar.

Am Ende bleibt nur das Bild der Asche, die in den Pazifik fällt, und die Wellen, die sie davontragen, während das Echo einer kleinen Ukulele am Ufer zurückbleibt.

DK

David Krause

David Krause spezialisiert sich darauf, komplexe Sachverhalte verständlich und präzise aufzubereiten.