1&1 was für ein netz

1&1 was für ein netz

Die 1&1 Mobilfunk GmbH betreibt seit Dezember 2023 das vierte eigenständige Mobilfunknetz in Deutschland und steht unter der Aufsicht der Bundesnetzagentur hinsichtlich der Einhaltung von Versorgungsauflagen. Verbraucher und Marktbeobachter stellten in den vergangenen Monaten vermehrt die Frage 1&1 Was Für Ein Netz die technische Basis für die mobile Datennutzung und Telefonie bildet. Das Unternehmen mit Sitz in Montabaur setzt auf eine Open-RAN-Technologie, die sich von den klassischen Netzarchitekturen der Wettbewerber Telekom, Vodafone und Telefónica unterscheidet.

Ralph Dommermuth, Vorstandsvorsitzender der 1&1 AG, bezeichnete den Start des eigenen Netzes als einen Meilenstein für den Wettbewerb auf dem deutschen Telekommunikationsmarkt. Die Architektur basiert auf einer Trennung von Hardware und Software, wobei Rechenzentren die Steuerung der Funkzellen übernehmen. In Gebieten, in denen die eigene Infrastruktur noch nicht ausgebaut ist, greift das Unternehmen auf National Roaming zurück.

Seit Sommer 2024 erfolgt die schrittweise Umstellung des Roaming-Partners von Telefónica Deutschland zu Vodafone. Dieser Prozess ist für die Netzabdeckung und die Dienstgüte der Kunden von erheblicher Bedeutung. Die Bundesnetzagentur überwacht diesen Übergang genau, um die Kontinuität der Versorgung sicherzustellen.

Technischer Aufbau und 1&1 Was Für Ein Netz Hinter Der Open-RAN-Struktur Steht

Das neu errichtete Mobilfunknetz verwendet das Prinzip des Open Radio Access Networks, kurz Open RAN. Im Gegensatz zu traditionellen Netzen, bei denen Hardware und Software oft von einem einzigen Ausrüster wie Ericsson oder Nokia stammen, kombiniert die Tochtergesellschaft von United Internet Komponenten verschiedener Hersteller. Diese Strategie soll die Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten reduzieren und die Flexibilität bei Software-Updates erhöhen.

Die technische Umsetzung erfolgt in Kooperation mit dem japanischen Unternehmen Rakuten Symphony. Rakuten betreibt in Japan bereits ein kommerzielles Netz auf Basis dieser Architektur und liefert die Software-Plattform für den deutschen Markt. Die Basisstationen werden über ein dezentrales Netz von Edge-Rechenzentren gesteuert, was die Latenzzeiten verkürzen soll.

Fachleute der Bundesnetzagentur weisen darauf hin, dass die Leistungsfähigkeit solcher virtualisierten Netze stark von der Anbindung der Standorte an das Glasfasernetz abhängt. 1&1 nutzt hierfür die Infrastruktur der Schwestergesellschaft Versatel, die über ein bundesweites Glasfasernetz von mehr als 50.000 Kilometern Länge verfügt. Dies ermöglicht die für 5G notwendigen hohen Übertragungsraten.

Die Rolle der Antennenstandorte

Ein zentraler Aspekt der Netzinfrastruktur ist die physische Präsenz von Funkmasten. Das Unternehmen gab in seinem Geschäftsbericht bekannt, dass der Ausbau der Standorte im Jahr 2024 beschleunigt wurde. Verzögerungen beim Partner Vantage Towers hatten zuvor zu einer deutlichen Unterschreitung der ursprünglichen Ausbauziele geführt.

Die Bundesnetzagentur verhängte aufgrund der verfehlten Zwischenziele Bußgelder, gegen die das Unternehmen juristisch vorging. Das Gericht bestätigte die Zuständigkeit der Behörde, reduzierte jedoch in einigen Fällen die Höhe der Zahlungen. Aktuell konzentriert sich der Ausbau auf städtische Gebiete, um die Kapazitäten des eigenen Frequenzspektrums optimal zu nutzen.

National Roaming und der Wechsel zu Vodafone

Da das eigene Netz noch keine flächendeckende Versorgung in Deutschland bietet, ist 1&1 auf die Unterstützung etablierter Betreiber angewiesen. Bis zum Sommer 2024 war Telefónica Deutschland der exklusive Partner für das National Roaming. Kunden wechselten automatisch in das Netz von O2, sobald kein eigenes Signal verfügbar war.

Der Abschluss einer langfristigen Kooperation mit Vodafone markierte einen Richtungswechsel in der Strategie. Seit August 2024 migriert das Unternehmen seine Bestandskunden schrittweise in das Vodafone-Netz. Diese Partnerschaft umfasst auch die Bereitstellung von 5G-Diensten im Roaming, was zuvor bei Telefónica nicht in vollem Umfang möglich war.

Marcel de Groot, CEO von Vodafone Deutschland, betonte in einer Pressemitteilung die wirtschaftliche Relevanz dieser Zusammenarbeit. Für Vodafone bedeutet die Öffnung des Netzes zusätzliche Einnahmen in Milliardenhöhe über die Vertragslaufzeit. Die technische Migration der Millionen von Kunden gilt als eine der komplexesten Operationen in der Geschichte des deutschen Mobilfunks.

Kritik am Ausbautempo und regulatorische Herausforderungen

Verbraucherschützer und Wettbewerber kritisieren regelmäßig die langsame Entwicklung der eigenen Infrastruktur. Während die drei etablierten Betreiber jeweils über zehntausende Basisstationen verfügen, liegt die Zahl der aktiven Standorte des neuen Anbieters noch im niedrigen vierstelligen Bereich. Dies führt dazu, dass ein Großteil des Datenverkehrs weiterhin über fremde Netze abgewickelt wird.

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Die Verbraucherzentrale Bundesverband mahnt Transparenz bei der Vermarktung an. Kunden müssten klar erkennen können, welche Leistungen über das eigene Netz und welche über Roaming-Partner erbracht werden. Unterschiede in der Sprachqualität oder bei der Datengeschwindigkeit können beim Wechsel zwischen den Funkzellen auftreten.

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Frequenzzuteilung. In der Auktion von 2019 ersteigerte das Unternehmen Spektrum im Bereich von 2 GHz und 3,6 GHz. Diese Frequenzen eignen sich gut für hohe Datenraten, haben aber eine geringere Reichweite als Frequenzen unterhalb von 1 GHz. Ohne niedrigere Frequenzen ist eine wirtschaftliche Versorgung ländlicher Regionen nur schwer realisierbar.

Frequenzauktionen und Wettbewerbsbedingungen

Die Bundesnetzagentur plant die Vergabe von Frequenzen im Bereich von 800 MHz, 900 MHz und 1.800 MHz neu. 1&1 fordert hierbei eine Bevorzugung oder eine Reservierung von Spektrum, um den Nachteil als Neueinsteiger auszugleichen. Die etablierten Betreiber lehnen dies ab und verweisen auf ihre eigenen hohen Investitionen in den ländlichen Ausbau.

Eine Entscheidung der Regulierungsbehörde über das Design der kommenden Auktion wird maßgeblich beeinflussen, wie eigenständig der vierte Anbieter agieren kann. Ohne Zugang zu Flächenfrequenzen bleibt die Abhängigkeit vom National Roaming bestehen. Die Behörde muss hierbei zwischen der Förderung des Wettbewerbs und der Sicherstellung einer flächendeckenden Versorgung abwägen.

Wirtschaftliche Kennzahlen und Investitionsvolumen

United Internet investiert jährlich Beträge im mittleren dreistelligen Millionenbereich in den Netzaufbau. Laut Finanzbericht für das erste Halbjahr 2024 stiegen die Investitionen in Sachanlagen deutlich an. Ein Großteil dieser Mittel fließt in die Beschaffung von Antennentechnik und die Anmietung von Standorten.

Die Profitabilität des Mobilfunksegments wird durch die Kosten für das National Roaming belastet. Jedes Gigabyte an Daten, das Kunden im Netz von Vodafone verbrauchen, verursacht direkte Kosten für das Unternehmen. Ziel der Strategie ist es daher, so viel Verkehr wie möglich auf die eigene Infrastruktur zu leiten.

Analysten von Bankhäusern wie der Commerzbank beobachten die Entwicklung der Kundenzahlen genau. Das Unternehmen muss eine kritische Masse an aktiven Nutzern erreichen, um die Fixkosten des Netzbetriebs zu decken. Der ARPU, also der durchschnittliche Erlös pro Nutzer, blieb in den letzten Quartalen stabil, was auf eine erfolgreiche Kundenbindung hindeutet.

Kundenerfahrung und technische Spezifikationen

In Praxistests von Fachmagazinen zeigt sich ein gemischtes Bild der Netzperformance. In Städten wie Frankfurt oder Berlin, wo bereits viele eigene Funkzellen aktiv sind, werden hohe Datenraten im 5G-Bereich gemessen. Die Latenzzeiten in der Open-RAN-Architektur liegen oft auf dem Niveau der Wettbewerber.

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Problematisch bleibt der Übergang zwischen dem eigenen Netz und dem Roaming-Partner, der sogenannte Handover. In einigen Fällen bricht die Datenverbindung kurzzeitig ab, wenn das Smartphone von einer eigenen Zelle zu einer Vodafone-Zelle wechselt. Die Techniker arbeiten an der Optimierung der Signalisierungsprotokolle, um diese Unterbrechungen zu minimieren.

Die Frage 1&1 Was Für Ein Netz ein Nutzer tatsächlich verwendet, lässt sich oft nur über spezielle Analyse-Apps auf dem Smartphone klären. In der Statusleiste wird meist einheitlich der Name des Anbieters angezeigt, unabhängig davon, ob das eigene Netz oder das Roaming-Netz aktiv ist. Diese Vereinfachung dient der Nutzerfreundlichkeit, erschwert aber die Beurteilung der tatsächlichen Netzabdeckung durch den Kunden.

Zukünftige Entwicklungen und Marktpositionierung

Für das Jahr 2025 plant das Unternehmen die Aktivierung tausender weiterer Antennenstandorte. Die Kooperation mit Eutelsat zur Anbindung entlegener Standorte via Satellit stellt eine zusätzliche Option für die Grundversorgung dar. Das Ziel bleibt die Erreichung der gesetzlich vorgeschriebenen Versorgungsquote von 25 Prozent der Haushalte bis Ende 2025.

Ein wichtiger Faktor wird die Einführung von Voice over New Radio sein, was Telefonie direkt im 5G-Netz ohne Rückgriff auf LTE ermöglicht. Dies würde die Sprachqualität weiter verbessern und die Effizienz des Netzbetriebs steigern. Die technische Umsetzung erfordert jedoch eine vollständige Integration aller Netzkomponenten.

Beobachter des Marktes erwarten, dass der Wettbewerb durch das vierte Netz langfristig zu sinkenden Preisen für mobiles Datenvolumen führen wird. Ob das Unternehmen seine ehrgeizigen Ziele erreicht, hängt von der Geschwindigkeit des physischen Mastbaus und den regulatorischen Rahmenbedingungen der Bundesnetzagentur ab. Die kommenden Monate werden zeigen, wie effektiv der Wechsel zum Roaming-Partner Vodafone vollzogen wird und ob die Open-RAN-Technologie die versprochenen Kostenvorteile im Massenbetrieb realisieren kann.

HH

Hannah Hartmann

Mit faktenbasierter Arbeitsweise liefert Hannah Hartmann Beiträge, die Leserinnen und Lesern Orientierung im Nachrichtengeschehen geben.