huawei pura 70 ultra test

huawei pura 70 ultra test

Wer glaubt, dass Smartphone-Kameras ihren Zenit erreicht haben, hat das neue Flaggschiff aus Shenzhen noch nicht in der Hand gehalten. Ich habe mich intensiv mit der Hardware auseinandergesetzt, um herauszufinden, ob die mechanische Linse nur eine Spielerei ist oder den Markt umkrempelt. In diesem Huawei Pura 70 Ultra Test klären wir direkt zu Beginn die wichtigste Frage für deutsche Nutzer: Kann ein Telefon ohne native Google-Dienste im Jahr 2026 für über 1.400 Euro bestehen? Die Antwort ist kein einfaches Ja oder Nein, sondern hängt massiv davon ab, wie sehr du Fotografie liebst und wie bereit du bist, dich auf Software-Workarounds einzulassen.

Die Pura-Serie markiert einen radikalen Bruch mit der alten P-Serie. Der Name steht für Reinheit und Design, aber unter der Haube steckt pure Aggression gegen die etablierte Konkurrenz von Samsung und Apple. Huawei will nicht nur mitspielen. Sie wollen dominieren. Das Gerät fühlt sich schwer an. Es liegt wertig in der Hand. Die Rückseite aus strukturiertem Kunstleder bietet Grip, den Glas einfach nicht hat. Wer das Gerät zum ersten Mal einschaltet, bemerkt sofort das brillante Display. Es ist hell. Es ist scharf. Aber das ist Standard in dieser Preisklasse. Das wahre Spektakel beginnt, wenn die Kamera-App startet und ein leises, mechanisches Surren ertönt.

Die Revolution der Mechanik im Huawei Pura 70 Ultra Test

Die Fachwelt diskutiert seit Jahren über die physikalischen Grenzen von flachen Gehäusen. Huawei löst dieses Problem mit einem ausfahrbaren Objektiv. Das ist kein hohles Marketingversprechen. Durch den Mechanismus gewinnt der Ein-Zoll-Sensor den nötigen Abstand zur Optik, um Lichtstrahlen präziser zu bündeln. In der Praxis bedeutet das eine Bildqualität, die bei Porträts und Low-Light-Aufnahmen fast schon an dedizierte DSLM-Kameras heranreicht.

Der Ein-Zoll-Sensor und die variable Blende

Ein großer Sensor ist das Fundament. Aber ohne die richtige Steuerung des Lichts bringt er wenig. Das Gerät nutzt eine physisch variable Blende zwischen f/1.6 und f/4.0. Das erlaubt eine Kontrolle über die Tiefenschärfe, die rein softwarebasierte Porträtmodi alt aussehen lässt. Wenn ich eine Blume fotografiere, ist das Bokeh im Hintergrund weich und natürlich. Es gibt keine Rechenfehler an den Kanten. Haare werden nicht einfach matschig weichgezeichnet. Jedes Detail bleibt erhalten.

Schnappschüsse bei Höchstgeschwindigkeit

Ein Highlight der neuen Hardware ist die Fähigkeit, extrem schnelle Bewegungen einzufrieren. Huawei nennt das "Ultra Speed Snapshot". Ich habe das bei vorbeifahrenden Autos in der Stadt ausprobiert. Selbst bei 200 km/h auf der Autobahn (natürlich als Beifahrer) bleibt das Motiv scharf. Die Software kombiniert hierbei zwei Belichtungen gleichzeitig: eine kurze für die Schärfe und eine längere für die Details im Schatten. Das Ergebnis überzeugt. Es gibt kaum Ausschuss. Man drückt ab und das Bild sitzt.

Software und Alltag ohne Google

Das ist der Elefant im Raum. In Deutschland ist man an den Play Store gewöhnt. Apps wie Banking, Maps und YouTube sind Teil unseres Lebens. Huawei setzt auf EMUI 14.2 und die AppGallery. Viele fragen mich, ob man damit im Alltag überlebt. Man kann. Aber es erfordert Arbeit. MicroG ist hier das Zauberwort. Diese Open-Source-Implementierung erlaubt es, Google-Dienste fast nativ zu simulieren.

  • Banking-Apps funktionieren meistens, aber nicht immer.
  • Kontaktloses Bezahlen klappt über Kurve oder Drittanbieter.
  • WhatsApp-Backups müssen über Umwege gesichert werden.

Wer technisch versiert ist, findet für alles eine Lösung. Wer einfach nur ein Telefon will, das ohne Konfiguration "einfach läuft", wird frustriert sein. Das ist die ehrliche Wahrheit. Man kauft dieses Gerät für die Hardware, nicht für den Komfort der Software. Die AppGallery wächst zwar ständig, doch wichtige lokale Apps für deutsche Verkehrsbetriebe oder Nischen-Versicherungen fehlen oft. Man muss sich mit APK-Installationen auskennen. Das birgt Sicherheitsrisiken, wenn man nicht genau weiß, aus welcher Quelle man lädt.

HarmonyOS und die globale Version

In China läuft das System bereits unter einem eigenen Kernel. Hierzulande basiert alles noch auf Android, was die Kompatibilität sichert. Die Performance ist flüssig. Ruckler gibt es nicht. Der Kirin 9010 Chip ist kein Effizienzwunder wie ein aktueller Snapdragon, aber er reicht für jede Anwendung. Spiele laufen stabil. Multitasking ist kein Problem. Die Hitzeentwicklung bleibt im Rahmen, außer man nutzt das Gerät intensiv für 4K-Videoaufnahmen bei direkter Sonneneinstrahlung.

Design und Haptik der Spitzenklasse

Huawei hat sich für ein dreieckiges Kameramodul entschieden. Das sieht auf Bildern gewöhnungsbedürftig aus. In echt wirkt es modern. Es hebt sich von der Masse der runden oder quadratischen Module ab. Die Verarbeitung ist makellos. Das Display wird durch Kunlun Glass der zweiten Generation geschützt. Ich habe es zwar nicht absichtlich auf den Asphalt geworfen, aber die Kratzfestigkeit im Alltag mit Schlüsseln in der Tasche ist beeindruckend.

Die Ergonomie ist trotz der Größe überraschend gut. Die Tasten haben einen definierten Druckpunkt. Das Gewicht von über 220 Gramm erinnert einen ständig daran, dass man High-End-Technik trägt. Es ist kein Gerät für kleine Hände. Man braucht beide, um es sicher zu bedienen. Die Lederstruktur auf der Rückseite ist unempfindlich gegenüber Fingerabdrücken. Das ist ein riesiger Vorteil gegenüber den Glas-Rückseiten von Apple oder Samsung, die nach fünf Minuten aussehen wie ein Tatort.

Akkulaufzeit und Ladegeschwindigkeit

Mit 5200 mAh ist der Akku großzügig bemessen. Im Huawei Pura 70 Ultra Test hielt das Gerät bei gemischter Nutzung locker anderthalb Tage durch. Wenn der Akku doch mal leer ist, greift das 100-Watt-Netzteil. Es liegt übrigens noch in der Box. Das ist heutzutage keine Selbstverständlichkeit mehr. Von Null auf Hundert in unter 40 Minuten. Das verändert das Ladeverhalten komplett. Man lädt nicht mehr über Nacht. Man lädt morgens beim Duschen.

Drahtloses Laden funktioniert mit bis zu 80 Watt. Das ist schneller als die kabelgebundene Konkurrenz aus Cupertino oder Seoul. Auch Reverse Wireless Charging ist an Bord. Damit lassen sich Kopfhörer oder die Telefone von Freunden laden, denen mal wieder der Saft ausgeht. Die Effizienz des Kirin-Prozessors ist im Standby hervorragend. Über Nacht verliert das Gerät kaum Kapazität, was auf eine gute Optimierung der Hintergrundprozesse hindeutet.

Displayqualität im Detail

Das LTPO-OLED-Panel bietet eine variable Bildwiederholfrequenz von 1 bis 120 Hertz. Das schont den Akku bei statischen Inhalten und sorgt für Butterweichheit beim Scrollen. Die Spitzenhelligkeit liegt bei über 2500 Nits. Selbst unter praller Mittagssonne im Hochsommer lässt sich das Display ohne Probleme ablesen. Die Farbtreue ist exzellent. Man kann zwischen verschiedenen Profilen wählen. Wer es natürlich mag, bekommt realistische Farben. Wer es knallig liebt, stellt auf "Vivid".

Die PWM-Dimmung arbeitet mit einer hohen Frequenz. Das ist wichtig für Nutzer, die empfindlich auf Bildschirmflimmern reagieren und davon Kopfschmerzen bekommen. Hier zeigt Huawei, dass sie die Bedürfnisse der Nutzer ernst nehmen. Die Ränder sind minimal gebogen. Es ist kein extremes "Waterfall"-Display mehr wie früher. Das minimiert Fehleingaben am Rand. Es ist der perfekte Kompromiss zwischen Design und Nutzbarkeit.

Warum das Teleobjektiv der heimliche Star ist

Jeder spricht über die Hauptkamera. Doch das Teleobjektiv mit Makro-Funktion ist mindestens genauso beeindruckend. Man kann bis auf fünf Zentimeter an ein Objekt herangehen. Die Details, die dabei zum Vorschein kommen, sind schlichtweg irre. Ich habe die Struktur einer Briefmarke und die Facettenaugen einer Fliege fotografiert. Die Schärfe ist bis in die Ecken vorhanden.

Der Zoom ist stabil. Bis zu einer zehnfachen Vergrößerung sind die Ergebnisse absolut brauchbar für soziale Medien oder zum Ausdrucken. Darüber hinaus übernimmt die KI. Huawei verzichtet auf übertriebene Schärfung. Die Bilder wirken organisch. Wer oft in Konzerten oder Stadien unterwegs ist, wird diese Kamera lieben. Man holt das Geschehen nah ran, ohne dass es in einem Pixelbrei endet. Weitere Details zur technischen Einordnung findet man oft bei DXOMARK, wo das Gerät regelmäßig Spitzenplätze belegt.

Konnektivität und Netzwerkperformance

Obwohl Huawei mit Sanktionen kämpft, ist die Mobilfunkleistung hervorragend. Die Signalstärke ist oft besser als bei der Konkurrenz. In ländlichen Gebieten mit schwachem Ausbau hält das Gerät die Verbindung länger stabil. 5G ist offiziell ein schwieriges Thema, aber durch spezielle Chips oder Hüllen lässt sich das oft lösen. Für den Durchschnittsnutzer in Deutschland ist LTE (4G) meist ohnehin ausreichend, da die Netze hier noch immer Lücken aufweisen.

Wi-Fi 7 wird unterstützt. Wer einen entsprechenden Router besitzt, profitiert von extrem hohen Datenraten im Heimnetzwerk. Bluetooth 5.2 sorgt für eine stabile Verbindung zu Kopfhörern. Der LDAC-Codec ist integriert, was Musikliebhaber freuen wird. Die Sprachqualität bei Telefonaten ist glasklar. Die Mikrofone filtern Umgebungsgeräusche effektiv heraus. Selbst an einer windigen Bushaltestelle versteht einen das Gegenüber problemlos.

Die Konkurrenz im direkten Vergleich

Wenn man das Gerät neben ein iPhone 15 Pro Max oder ein Samsung Galaxy S24 Ultra legt, fällt auf: Huawei ist mutiger. Während die anderen Evolution betreiben, wagt Huawei die Revolution in der Hardware. Die Bildverarbeitung bei Samsung wirkt oft künstlich übersättigt. Apple neigt dazu, Schatten zu stark aufzuhellen. Das Pura 70 Ultra bewahrt die Stimmung der Szene. Es traut sich, Schatten auch mal schwarz zu lassen. Das erzeugt Tiefe.

Allerdings gewinnen Samsung und Apple beim Ökosystem. Die Verzahnung mit Tablets, Uhren und Laptops ist dort nahtloser. Wer bereits ein MacBook oder ein iPad nutzt, wird den Wechsel schwer finden. Huawei bietet zwar eigene Lösungen wie "Super Device", aber diese entfalten ihr volles Potenzial nur, wenn man komplett im Huawei-Kosmos bleibt. Für Informationen zur digitalen Infrastruktur in Deutschland kann man sich beim Bundesministerium für Digitales und Verkehr informieren, um die Bedeutung von 5G-Ausbau und Konnektivität besser zu verstehen.

Wer sollte dieses Smartphone kaufen?

Dieses Telefon ist ein Werkzeug für Enthusiasten. Es ist für Leute, die bereit sind, für die beste mobile Kamera der Welt auf ein bisschen Bequemlichkeit zu verzichten. Es ist für Individualisten, die kein Standard-Gerät von der Stange wollen. Wenn du deine Fotos bearbeitest, wenn du den manuellen Modus nutzt und wenn du die Mechanik eines Objektivs zu schätzen weißt, gibt es derzeit keine Alternative.

Falls du jedoch auf Google Pay angewiesen bist, jeden Tag neue Apps ausprobieren willst und keine Lust auf Bastelarbeit hast, lass die Finger davon. Es wird dich nerven. High-End-Hardware bringt nichts, wenn die Software dir im Weg steht. Aber für die Fotografie-Verrückten ist es eine Offenbarung. Es macht wieder Spaß, ein Telefon aus der Tasche zu ziehen und ein Foto zu machen. Das Gefühl, ein echtes Objektiv zu bewegen, ist haptisch ungeschlagen.

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Tipps für den Einstieg

Wenn du dich für den Kauf entscheidest, solltest du direkt GBox oder GSpace installieren. Diese Apps erstellen eine virtuelle Umgebung, in der Google-Apps problemlos laufen. Achte darauf, die Berechtigungen sorgfältig zu verwalten. Nutze für den App-Download primär die AppGallery und für alles andere die "Petal Search". Diese Suchmaschine findet APKs auf vertrauenswürdigen Seiten wie APKMirror und prüft sie auf Viren.

Ein weiterer wichtiger Schritt ist das Deaktivieren der Akku-Optimierung für Messenger-Apps. Da Huawei sehr aggressiv im Hintergrund aufräumt, kann es sonst passieren, dass Nachrichten verzögert ankommen. Sobald du diese kleinen Hürden überwunden hast, steht dem Vergnügen nichts im Wege. Die Community rund um Huawei ist groß und hilfsbereit. In Foren findet man für fast jedes Problem eine Lösung.

Pflege der Kameramechanik

Viele Nutzer haben Angst, dass der Motor des Objektivs kaputtgeht. Huawei gibt an, dass der Mechanismus für über 300.000 Zyklen getestet wurde. Das reicht für viele Jahre. Trotzdem sollte man darauf achten, dass kein feiner Sand in den Spalt gelangt. Ein kurzes Pusten oder ein weicher Pinsel helfen hier. Das Gerät ist nach IP68 zertifiziert. Ein Regenschauer oder ein kurzes Eintauchen in Wasser machen dem Mechanismus nichts aus. Er fährt automatisch ein, wenn ein Sturz erkannt wird, um die Mechanik zu schützen.

Nächste Schritte für dich

  1. Prüfe deine meistgenutzten Apps: Gehe deine App-Liste durch und schaue in der Huawei AppGallery nach, ob sie dort nativ verfügbar sind.
  2. Test im Laden: Geh in einen Elektronikmarkt und nimm das Gerät in die Hand. Das Gewicht und die Textur muss man fühlen, bevor man so viel Geld ausgibt.
  3. Zubehör planen: Bestelle ein passendes Case direkt mit, das den Kamerabuckel schützt, ohne den Mechanismus zu behindern.
  4. Datentransfer vorbereiten: Nutze die "Phone Clone" App von Huawei. Sie ist überraschend effizient beim Umzug von anderen Android-Geräten oder iPhones.
  5. Fotografie-Grundlagen auffrischen: Beschäftige dich mit den Einstellungen der variablen Blende, um das volle Potenzial der Hardware auszuschöpfen.
TK

Tobias Koch

Mit faktenbasierter Arbeitsweise liefert Tobias Koch Beiträge, die Leserinnen und Lesern Orientierung im Nachrichtengeschehen geben.