Das Wuppertaler Unternehmen Wiesemann und Theis GmbH weitete im laufenden Geschäftsjahr den Einsatz seiner industriellen Kommunikationslösungen in europäischen Fertigungsanlagen aus. Techniker implementierten den Wiesemann Und Theis Com Server verstärkt in Umgebungen, die eine Brücke zwischen seriellen Legacy-Schnittstellen und modernen Ethernet-Netzwerken erfordern. Diese Entwicklung folgt einem Trend zur Digitalisierung im Mittelstand, bei dem bestehende Maschinenparks ohne kompletten Hardwareaustausch in IoT-Strukturen integriert werden.
Die Notwendigkeit dieser Anbindung ergibt sich aus der Langlebigkeit industrieller Anlagen, die häufig über Jahrzehnte in Betrieb bleiben. Laut dem Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e. V. (ZVEI) stieg die Nachfrage nach Komponenten für die industrielle Vernetzung im vergangenen Jahr moderat an. Das System ermöglicht es, Daten von älteren Geräten mit RS232-, RS422- oder RS485-Schnittstellen direkt über TCP/IP-Netzwerke zu übertragen.
Technische Spezifikationen und Einsatzgebiete der Wiesemann Und Theis Com Server
Die Hardware fungiert als Protokollwandler, der serielle Signale in Datenpakete verpackt und über Standard-Netzwerkkabel verteilt. Peter Meyer, ein leitender Projektingenieur für Automatisierungstechnik, beschrieb die Funktionsweise als essenziell für die Fernwartung von Steuerungen, die ursprünglich nicht für den Internetzugriff konzipiert wurden. Die Geräte unterstützen Geschwindigkeiten von bis zu 230,4 kBaud und bieten Schutz gegen Überspannungen, was in rauen Industrieumgebungen eine technische Anforderung darstellt.
Ein wesentlicher Aspekt der Technologie ist die Bereitstellung virtueller COM-Ports für Windows- und Linux-Systeme. Dies erlaubt es Softwareanwendungen, mit entfernten Geräten so zu kommunizieren, als wären diese direkt am lokalen Rechner angeschlossen. Die Physikalisch-Technische Bundesanstalt nutzt in verschiedenen Messanordnungen ähnliche Verfahren zur Datenerfassung über weite Distanzen hinweg, um hochpräzise Werte zentral zu speichern.
Integration in bestehende IT-Infrastrukturen
Die Konfiguration der Einheiten erfolgt in der Regel über ein webbasiertes Interface oder per Telnet, was die Administration durch IT-Abteilungen vereinfacht. Unternehmen wie die Deutsche Bahn setzen bei der Überwachung von Stellwerkstechnik oft auf spezialisierte Wandler, um den Zustand alter mechanischer Komponenten digital abzubilden. Die Stromversorgung der Module wird häufig über Power-over-Ethernet (PoE) realisiert, wodurch zusätzliche Netzteile in engen Schaltschränken entfallen.
Sicherheitsaspekte bei der Vernetzung von Bestandsanlagen
Mit der zunehmenden Anbindung ehemals isolierter Maschinen an das Firmennetzwerk wachsen die Anforderungen an die Cybersicherheit. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik warnt in seinem Lagebericht regelmäßig vor Schwachstellen in industriellen Steuerungssystemen. Da viele serielle Protokolle keine nativen Verschlüsselungsmechanismen besitzen, müssen die vorgeschalteten Server die Absicherung übernehmen.
Die Wuppertaler Lösung adressiert dieses Problem durch Funktionen wie IP-Filterung und Passwortschutz für den Zugriff auf die serielle Schnittstelle. Dennoch weisen Experten darauf hin, dass eine rein hardwareseitige Absicherung in hochkritischen Infrastrukturen oft nicht ausreicht. Sicherheitsbeauftragte empfehlen die Implementierung von Virtual Private Networks (VPN) und dedizierten VLANs, um den Datenverkehr vom restlichen Unternehmensnetzwerk zu trennen.
Herausforderungen bei der Implementierung
Ein illustratives Beispiel für Schwierigkeiten bei der Umstellung ist die Latenzzeit, die durch die Paketierung der Daten im Netzwerk entsteht. In Echtzeitanwendungen können Verzögerungen von wenigen Millisekunden bereits zu Fehlern in der Prozesssteuerung führen. Ingenieure müssen daher die Netzwerkbelastung genau kalkulieren, bevor sie kritische Steuersignale über Ethernet-Infrastrukturen leiten.
Marktumfeld und Wettbewerb in der Schnittstellentechnik
Der Markt für industrielle Kommunikationslösungen ist durch einen intensiven Wettbewerb zwischen etablierten europäischen Herstellern und globalen Anbietern geprägt. Neben dem Wiesemann Und Theis Com Server existieren zahlreiche Konkurrenzprodukte von Unternehmen wie Moxa oder Advantech, die ähnliche Funktionalitäten für den Weltmarkt bereitstellen. Analysten der International Data Corporation (IDC) beobachten eine Konsolidierung bei Anbietern, die Hard- und Softwarelösungen aus einer Hand anbieten.
Die Entscheidung für lokale Hersteller begründen viele deutsche Betriebe mit der Verfügbarkeit von Langzeitsupport und der Einhaltung europäischer Standards. Die Europäische Kommission betont in ihrer Digitalstrategie die Bedeutung technologischer Souveränität innerhalb der Union. Dies stärkt Positionen von mittelständischen Spezialisten, die Nischenlösungen für spezifische industrielle Anforderungen in Deutschland fertigen.
Ausblick auf die industrielle Kommunikation und Industrie 4.0
In den kommenden Jahren wird die Bedeutung von klassischen Protokollwandlern voraussichtlich durch den Einzug von OPC UA (Open Platform Communications Unified Architecture) beeinflusst. Dieser Standard soll die herstellerübergreifende Kommunikation vereinheitlichen und die Notwendigkeit von proprietären Treibern reduzieren. Dennoch bleibt die Überbrückung zu älteren Anlagen ein Wachstumsmarkt, da der Austausch großer Maschinenparks enorme Kapitalinvestitionen erfordert.
Beobachter der Branche blicken nun auf die nächste Generation von Schnittstellenwandlern, die verstärkt Edge-Computing-Fähigkeiten besitzen könnten. Solche Geräte würden Daten bereits an der Maschine vorverarbeiten, bevor sie in eine Cloud-Umgebung übertragen werden. Es bleibt abzuwarten, wie schnell sich diese intelligenten Funktionen in der Breite der industriellen Anwendung durchsetzen werden.